{"id":24,"date":"2018-11-03T14:35:12","date_gmt":"2018-11-03T14:35:12","guid":{"rendered":"http:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/?page_id=24"},"modified":"2020-09-08T21:50:29","modified_gmt":"2020-09-08T19:50:29","slug":"stichwort-busse-am-limit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/?page_id=24","title":{"rendered":"Stichwort Busse am Limit"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Stichwort Busse am Limit<\/strong> \u2013 <em>Historisches, Datengrundlage, Verkehrszellen, Nutzungsverhalten, Heilmittel\u00a0Citybahn, Zeittakt<\/em><\/p>\n<p>ESWE Verkehr behauptet, das\u00a0Bussystem in Wiesbaden sei am Limit angekommen. Es seien zuletzt im Jahr 2017 rund 55,6 Mio. Fahrg\u00e4ste bef\u00f6rdert worden. Wiesbaden wachse aber weiter und die Busse k\u00f6nnten angeblich nicht in noch k\u00fcrzeren Fahrplan-Takten verkehren. Die Citybahn sei alternativlos und k\u00f6nne im Vergleich zu Bussen mehr Fahrg\u00e4ste bef\u00f6rdern. All dies ist zu bezweifeln.<\/p>\n<h5>Historisches<\/h5>\n<p>Laut den Informationen bei Wikipedia zu <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ESWE_Verkehrsgesellschaft\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ESWE Verkehrsgesellschaft<\/a> stellte Wiesbaden\u00a0im Jahre 1929\u00a0als erste Gro\u00dfstadt der Welt eine Stra\u00dfenbahnlinie auf Omnibusse um.\u00a0 Zu diesem Zeitpunkt gab es\u00a0parallel noch ein\u00a0Stra\u00dfenbahnnetz der S\u00fcddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft (SEG), welches\u00a0nach und nach\u00a0von der Stadt Wiesbaden\u00a0bis 1943 \u00fcbernommen und dabei stetig verkleinert wurde. Wie es bei Klaus Kopp,\u00a0125 Jahre Wiesbadener Verkehrsbetriebe 1875 \u2013 2000, herausgegeben von der ESWE-Verkehrsgesellschaft mbH Wiesbaden 2000, hei\u00dft, wurden im Sommer 1939\u00a0durch die st\u00e4dtischen Verkehrsbetriebe 12 Buslinien und nur noch 1 Stra\u00dfenbahnlinie (Dotzheim \u2013 Bierstadt) betrieben. Da f\u00fcr Benzin und Diesel\u00a0bereits ab Kriegsbeginn 1939 Anweisungen zu Rationierung ergingen, wurde die Busflotte\u00a0gr\u00f6\u00dftenteils auf Gasbetrieb umgestellt. Der Betrieb der letzten Stra\u00dfenbahnen und der st\u00e4dtischen Busse musste dann 1945 noch vor dem Einmarsch der Amerikaner und vor dem Kriegende\u00a0wegen gro\u00dfer Sch\u00e4den komplett eingestellt werden.<\/p>\n<p>Nach Kriegsende gelang es als erstes, einige Gleise so wieder zu reparieren, dass die verbliebenen eher betagten Stra\u00dfenbahnen, u.a. auch nach Mainz, wieder fahren konnten. Bei der Wiederherstellung einer Gasversorgung und der Wiederinbetriebnahme der gasbetriebenen Busse \u00a0waren die Schwierigkeiten gr\u00f6\u00dfer, zumal der gr\u00f6\u00dfte Teil der Busse requiriert, zerst\u00f6rt oder an andere Orte geschafft worden war und es am Geld f\u00fcr neue Busse fehlte.\u00a0Je mehr Fortschritte es beim Wiederaufbau des Busnetzes ab 1946 gab, umso mehr wurden die verbliebenen und als \u00fcberaltert empfundenen Stra\u00dfenbahnen, die nach dem Krieg eher als Provisorium angesehen worden waren,\u00a0von den Bussen wieder verdr\u00e4ngt. Die letzte verbliebene Stra\u00dfenbahnlinie\u00a0wurde im Jahr 1955 komplett eingestellt.<\/p>\n<p>Bereits 1954 wurden die ersten Gelenkomnibusse in Wiesbaden dem Verkehr \u00fcbergeben. Vor\u00fcbergehend gab es noch\u00a0die \u00a0O-Buslinien A und B, die aber 1961\u00a0endg\u00fcltig eingestellt wurden.\u00a01968 erfolgte sodann die Einf\u00fchrung der ersten Busspuren Deutschlands in Wiesbaden. Weil\u00a0auch andere St\u00e4dte diese Busspuren als \u00e4u\u00dferst vorteilhaft ansahen, f\u00fchrte dies 1971 zur Novellierung der StVO und der Einf\u00fchrung des neuen Verkehrszeichens 245 f\u00fcr \u201eBussonderfahrstreifen\u201c. Ab 1970 stiegen die j\u00e4hrlichen Fahrgastzahlen von 39,9 Mio. innerhalb von 4 Jahren um 10 Mio. auf 49,6 Mio. bis Ende 1973. Im Jahr\u00a01979 bef\u00f6rderte ESWE Verkehr nach eigenen Angaben mit seiner Busflotte knapp \u00fcber 57 (!) Mio. Fahrg\u00e4ste. Nach Umstellung der Sch\u00e4tzmethode errechnete ESWE Verkehr f\u00fcr 1991 eine stolze Zahl von 55 Mio. Fahrg\u00e4sten und 1992 von 56,1 Mio. Fahrg\u00e4sten.<\/p>\n<p>[Quelle f\u00fcr das Vorstehende\u00a0: Klaus Kopp , 125 Jahre Wiesbadener Verkehrsbetriebe 1875 \u2013 2000, herausgegeben von der ESWE-Verkehrsgesellschaft mbH Wiesbaden 2000].<\/p>\n<p>Historisch gesehen ist Wiesbaden damit ein Vorreiter f\u00fcr den lokalen Busverkehr. Von dieser Tradition m\u00f6chten die Bef\u00fcrworter der Citybahn, welche den Busverkehr zumindest teilweise ersetzen m\u00f6chten, scheinbar nichts mehr wissen. F\u00fcr Megabusse mit 24 m L\u00e4nge und Kapazit\u00e4ten von bis zu 200 Fahrg\u00e4sten soll das Busnetz wegen zu kurzer Haltestellen (!) angeblich ungeeignet sein. Daf\u00fcr m\u00f6chte man lieber Haltestellen f\u00fcr eine Citybahn von ca. 80 m L\u00e4nge bauen.<\/p>\n<h5>Datengrundlagen<\/h5>\n<p>Zun\u00e4chst zum Vergleich: Der Flughafen Frankfurt hat im Jahr 2011 ein j\u00e4hrliches Aufkommen von 56 Mio. Passagieren gehabt, im Jahr 2016 sollen es knapp 61 Mio. Passagiere gewesen sein.\u00a0ESWE Verkehr gibt\u00a0f\u00fcr das Jahr 2016 eine\u00a0Gesamtzahl von 55,3 und f\u00fcr 2017 eine Gesamtzahl von 55,6\u00a0Mio. Fahrg\u00e4sten an.<\/p>\n<p>Die Entwicklung der Fahrgastzahlen bei ESWE Verkehr verlief laut\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wiesbaden.de\/medien-zentral\/dok\/leben\/verkehr\/VEP-Bestandsanalyse_2-1_Strukturelle_Rahmenbedingungen.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ziff. 2.1 der Bestandsanalyse zum Verkehrsentwicklungsplan Wiesbaden 2030<\/a> und der Abbildung 2-6 aber keineswegs\u00a0immer gleichm\u00e4\u00dfig\u00a0nur nach oben. Ab\u00a02003 schrumpfte sie (warum?) und erreichte erst 9 Jahre sp\u00e4ter in\u00a02012 wieder die Marke von\u00a050 Mio. Fahrg\u00e4sten j\u00e4hrlich. Zwar hat ESWE Verkehr eigenen Angaben zufolge in 2017 nun 55,6 Mio. Fahrg\u00e4ste bef\u00f6rdert und damit rund 0,5 % mehr als in 2016. Dass die Busse am Limit seien, l\u00e4sst sich aus dieser Entwicklung\u00a0aber f\u00fcr sich genommen gerade nicht ableiten.<\/p>\n<p>Gegen die Behauptung, die Busse in Wiesbaden seien am Limit sprechen\u00a0andere Zahlen: So hei\u00dft es bei Klaus Kopp [siehe oben bei \u201eHistorisches\u201c],\u00a0nach der durch die Eingemeindungen in\u00a01977 erfolgten\u00a0Expansion des Busverkehrs in die \u00f6stlichen Vororte\u00a0und der 1978 erfolgten Inbetriebnahme der\u00a0neuen Omnibusbetriebswerkstatt\u00a0habe ESWE im Jahr 1979 knapp \u00fcber 57 (!) Mio. Fahrg\u00e4ste bef\u00f6rdert. Zwar hat ESWE Verkehr die Methode zur Sch\u00e4tzung der Fahrgastzahlen Anfang der Achtziger Jahren wohl ge\u00e4ndert. Wenn aber 1991 wiederum 55 Mio. und 1992 sogar 56,1 Mio. Fahrg\u00e4ste genannt wurden und diese Fahrgastzahlen mit weniger Bussen und einem k\u00fcrzeren Streckennetz erreicht wurden,\u00a0wieso sind die Busse jetzt\u00a0bei unter\u00a056 Mio. Fahrg\u00e4sten j\u00e4hrlich am Limit? Das klingt nicht schl\u00fcssig.<\/p>\n<p>Die Zahlen f\u00fcr die j\u00e4hrlich angegebenen Fahrg\u00e4ste kommen \u00fcberdies\u00a0nicht etwa durch eine Z\u00e4hlung zustande. Und es sind in Wahrheit auch nicht Fahrg\u00e4ste, sondern Fahrten gemeint. In einem erkl\u00e4renden Video auf Youtube hei\u00dft es dazu, es handele sich um Sch\u00e4tzungen. So gebe es Erfahrungswerte etwa dazu, wie viele Fahrten durchschnittlich mit einer Monatskarte durchgef\u00fchrt werden. Aber solche\u00a0Sch\u00e4tzungen k\u00f6nnen durchaus aktiv\u00a0beeinflusst werden. So sind j\u00fcngst die Preise f\u00fcr ein Tagesticket von ESWE Verkehr von \u20ac 6,70 in 2017 auf \u20ac 5,35 in 2018 erheblich gesenkt worden, was die Nachfrage an Tagestickets erh\u00f6ht und im Vergleich den Verkauf von\u00a0Einzelfahrscheinen reduziert hat. Dies hat aber Folgen f\u00fcr die Sch\u00e4tzung der j\u00e4hrlichen Fahrten, denn im Gegensatz zu einer Einzelfahrkarte schl\u00e4gt eine Tagesfahrkarte angeblich statistisch mit stolzen 8 Fahrten zu Buche. Es ist also zu erwarten, dass ESWE Verkehr f\u00fcr 2018 wieder eine Steigerung der j\u00e4hrlich bef\u00f6rderten Fahrg\u00e4ste vermelden wird. Diese Steigerung wird dann aber letztlich auf der blo\u00dfen \u00c4nderung der Tarifstruktur beruhen.<\/p>\n<p>Und mit welchen Fahrg\u00e4sten sollen die Busse in Wiesbaden angeblich am Limit sein?Gem\u00e4\u00df\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wiesbaden.de\/medien-zentral\/dok\/leben\/verkehr\/VEP-Bestandsanalyse_2-1_Strukturelle_Rahmenbedingungen.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ziff. 2.1 der Bestandsanalyse zum Verkehrsentwicklungsplan Wiesbaden 2030<\/a>\u00a0wohnen 45% (57.865 Personen) der Besch\u00e4ftigten\u00a0unserer Stadt auch in Wiesbaden und sind Binnenpendler. Die Mehrzahl der Besch\u00e4ftigten, also 55% \u2013 rund 71.447 \u2013 pendelt dagegen nach Wiesbaden ein. Mit einer Einpendlerquote von 55% weist Wiesbaden unter den Gro\u00dfst\u00e4dten der Rhein-Main-Region interessanterweise den geringsten Wert auf: Die Einpendlerquoten von Darmstadt, Frankfurt, Mainz und Offenbach liegen bei Werten zwischen 63% und 71%.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">Es gibt aber nicht nur Binnenpendler innerhalb Wiesbadens und Einpendler, sondern auch Auspendler. Etwa 39.000 sozialversicherungspflichtige Besch\u00e4ftigte pendelten im Jahr 2012 von Wiesbaden in andere Gemeinden aus.<\/p>\n<p>Von und nach wo sind nun die Pendlerstr\u00f6me insgesamt am gr\u00f6\u00dften?<\/p>\n<table width=\"396\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"89\"><\/td>\n<td width=\"82\">Einpendler<\/td>\n<td width=\"82\">Auspendler<\/td>\n<td width=\"82\">Summe<\/td>\n<td width=\"61\">Quote<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Mainz<\/td>\n<td>7.232<\/td>\n<td>7.063<\/td>\n<td>14.295<\/td>\n<td>12,94%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Frankfurt<\/td>\n<td>2.781<\/td>\n<td>10.283<\/td>\n<td>13.064<\/td>\n<td>11,83%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Taunusstein<\/td>\n<td>3.999<\/td>\n<td>824<\/td>\n<td>4.823<\/td>\n<td>4,37%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>R\u00fcsselsheim<\/td>\n<td>899<\/td>\n<td>1.695<\/td>\n<td>2.594<\/td>\n<td>2,35%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Eltville<\/td>\n<td>1.955<\/td>\n<td>553<\/td>\n<td>2.508<\/td>\n<td>2,27%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Hofheim<\/td>\n<td>1.183<\/td>\n<td>1.193<\/td>\n<td>2.376<\/td>\n<td>2,15%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>sonstige<\/td>\n<td>53.398<\/td>\n<td>17.389<\/td>\n<td>70.787<\/td>\n<td>64,09%<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>gesamt<\/td>\n<td>71.447<\/td>\n<td>39.000<\/td>\n<td>110.447<\/td>\n<td>100%<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Wenn nur 12,94 % der t\u00e4glichen Berufspendler zwischen Mainz und Wiesbaden unterwegs sind, was\u00a014.295 Personen entspricht, dann k\u00f6nnen die Busse\u00a0in Wiesbaden mit durchschnittlich 150.685\u00a0Fahrg\u00e4sten wohl kaum wegen dieser Mainzer Berufspendler am Limit sein. Das Mainzer Einzugsgebiet ist gro\u00df und schlie\u00dft nicht nur die Innenstadt ein, weshalb ohnehin nur ein Bruchteil der t\u00e4glichen 14.295 Berufspendler zwischen Mainz und Wiesbaden den \u00d6PNV nutzen d\u00fcrfte. \u00dcberhaupt w\u00fcrde sich die Frage stellen, wie viele der t\u00e4glichen Berufspendler aus der gesamten Region von 110.447 Personen den \u00d6PNV oder eben den privaten PKW nutzen.<\/p>\n<p>Ginge es wiederum nach der Ziff. 2.1 der Bestandsanalyse zum Verkehrsentwicklungsplan Wiesbaden 2030, dann werden in unserer Stadt 47,9% aller Wege mit\u00a0PKW\/Motorrad\/Roller, 30,7% zu Fu\u00df, 15,7% mit dem \u00d6PNV (Regio-\/S-Bahn und Busse) und 5,7% mit dem Fahrrad zur\u00fcckgelegt. W\u00fcrde\u00a0man dies auf die Berufspendler \u00fcbertragen, so w\u00fcrden t\u00e4glich nur 17.340 Personen den \u00d6PNV benutzen und davon beispielsweise nur 2.244 Personen von und nach Mainz nebst Umgebung. Die Benutzung des \u00d6PNV f\u00fcr Berufspendler von und nach Mainz meint aber selbstverst\u00e4ndlich nicht etwa nur den Busverkehr, sondern genauso die bestehende S-Bahn-Verbindung.<\/p>\n<p>Wie es in Ziff. 2.1 der\u00a0Bestandsanalyse zum Verkehrsentwicklungsplan Wiesbaden 2030 weiter hei\u00dft, ist unterwegs zu sein\u00a0f\u00fcr die Wiesbadener Bev\u00f6lkerung selbstverst\u00e4ndlicher Alltag.\u00a086,3% aller Personen sind an einem beliebigen Stichtag unterwegs und legen dabei im Mittel 3,9 Wege zur\u00fcck. Die mittlere Wegel\u00e4nge betr\u00e4gt dabei 6,9 km und die Wegedauer 20,3 Minuten \u2013 dies sind in Bezug auf Wegel\u00e4nge und \u2013dauer vergleichsweise kurze Wege. Insgesamt verbringen die mobilen Wiesbadener damit t\u00e4glich \u00fcber eine Stunde (genau: 67,3 Minuten) im Verkehr und legen dabei eine Strecke von 22,8 km zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Eine \u00dcberraschung enth\u00e4lt die Bestandsanalyse bei den Zwecken, zu denen die Wiesbadener Bev\u00f6lkerung unterwegs ist. Dort\u00a0dominiert n\u00e4mlich mit 34,4 % ganz klar die Freizeit: private Besuche, Sport und andere Freizeitaktivit\u00e4ten sind der wichtigste\u00a0Anlass zum Unterwegssein. Mit 29,9 % sind Einkauf und Dienstleistung der zweitwichtigste Wegezweck. Es folgen mit deutlichem Abstand Wege zur Arbeit (15,9%) und zu Kitas und Schulen (13%). Folglich spielen in Bezug auf das gesamte Verkehrsaufkommen in Wiesbaden Freizeit sowie Einkauf und Dienstleistung mit rund 2\/3 der Mobilit\u00e4t die gr\u00f6\u00dfte Rolle, der Weg zur Arbeit sowie zur Kita und Schule dagegen die geringste Rolle.<\/p>\n<p>Falls die Busse in Wiesbaden tats\u00e4chlich am Limit sein sollten, dann h\u00e4tte dies laut Verkehrsentwicklungsplan nicht so sehr\u00a0mit Berufspendlern, Sch\u00fclern oder Kindern, sondern eher mit dem Freizeitverhalten der Wiesbadener\u00a0zu tun.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich: Falls Wiesbaden bis zum Jahr 2030 weiter w\u00e4chst, wovon tats\u00e4chlich auszugehen ist, dann w\u00fcrde dies bei einer gesch\u00e4tzten Einwohnerzahl von 300.000 einer Erh\u00f6hung um ca. 3,5 % entsprechen. Wenn sich die Arbeitswelt, das Freizeitverhalten und die Mobilit\u00e4t in Wiesbaden bis 2030 nicht entscheidend \u00e4ndern sollten, was wiederum unwahrscheinlich ist, dann w\u00fcrden sich alle Daten aus der Bestandsanalyse linear auch nur um ca. 3,5 % erh\u00f6hen. Dies bedeutet, dass sich beispielsweise die Zahl der Fahrg\u00e4ste von und nach Mainz\u00a0(ohne die Citybahn) auch nur um 3,5 % erh\u00f6hen w\u00fcrde.<\/p>\n<h5>Verkehrszellen<\/h5>\n<p>Um zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob das Bussystem in Wiesbaden tats\u00e4chlich an seiner Kapazit\u00e4tsgrenze angelangt ist oder bald angelangen wird, gen\u00fcgen keine subjektiven Wahrnehmungen einzelner, es m\u00fcsste untersucht werden,\u00a0(a) welche Buslinien und\u00a0(b) welche Streckenabschnitte dieser Linien besonders stark genutzt werden. Buslinien sind ganz unterschiedlich ausgelastet und eine einzelne Buslinie ist im Regelfall nicht von Endhaltestelle bis Endhaltestelle gleich stark genutzt, d.h. es m\u00fcssten ganz klar die Fahrg\u00e4ste pro Streckenabschnitt gez\u00e4hlt und die so genannten Verkehrszellen\u00a0genauer betrachtet werden. Wie es auf Seite 88 in <a href=\"https:\/\/www.wiesbaden.de\/medien-zentral\/dok\/leben\/verkehr\/VEP-Bestandsanalyse_2-5_Fliessender_MIV.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ziff. 2.5 der Bestandsanalyse zum Verkehrsentwicklungsplan Wiesbaden 2030<\/a> hei\u00dft, ist das Stadtgebiet in insgesamt 144 Verkehrszellen auch aufgeteilt.<\/p>\n<p>Laut Ziff. 2.1 der Bestandsanalyse wird die Grundlage f\u00fcr das st\u00e4dtische Bus-Liniennetz von der urspr\u00fcnglichen Netzkonzeption aus dem Jahre 1969 gebildet, d.h. seit dieser Zeit\u00a0werden die Buslinien grunds\u00e4tzlich von au\u00dfen kommend und sternenf\u00f6rmig \u00a0in oder durch die Innenstadt gef\u00fchrt.\u00a0Die starke B\u00fcndelung abschnittsweise parallel fahrender Linien f\u00fchrt auf langen Strecken vor allem in Hauptverkehrszeiten naturgem\u00e4\u00df dann zu sehr dichten Wagenfolgen.<\/p>\n<p>Neben den radial gef\u00fchrten Linien gibt es nur ganz wenige Linien mit tangentialem Charakter. Dies sind beispielsweise die Linien 9 (Schierstein \u2013 Biebrich \u2013 Mainz) und 37 (Wielandstra\u00dfe \u2013 Hauptbahnhof \u2013 Bierstadt \/ Erbenheim).<\/p>\n<p>Die wichtigsten Haltestellen mit dem h\u00f6chsten Fahrgastaufkommen sollen gem\u00e4\u00df der Bestandsanalyse zum Verkehrsentwicklungsplan\u00a0der Hauptbahnhof und die in der Innenstadt liegenden Haltestellen Dernsches Gel\u00e4nde \/ Wilhelmstra\u00dfe, Kirchgasse \/ Luisenplatz, Schwalbacher Stra\u00dfe \/ LuisenForum, Platz der Deutschen Einheit, Bismarckring und Loreleiring sein. Der <a href=\"http:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/LNO-Gesamtbericht-vom-Mai-2016.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gesamtbericht der Lokalen Nahverkehrsorganisation vom Mai 2016<\/a>\u00a0bescheinigt auf Seite 9 unter Ziff. 2 dennoch das Funktionieren des Wiesbadener Bussystems bei &#8222;Beschreibung der Bef\u00f6rderungsqualit\u00e4t&#8220; und zwar w\u00f6rtlich:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">&#8222;Die Bef\u00f6rderungsqualit\u00e4t im Busverkehr erf\u00fcllt mindestens die Standards, die im &#8230; 2. Nahverkehrsplan &#8230; sowie mit Fortschreibung am 16.07.2015 beschlossenen 3. Nahverkehrsplan &#8230; ausgewiesen sind.&#8220;<\/p>\n<p>Wenn geltend gemacht wird, die Busse seien am Limit, dann geht es nicht um die Gesamtzahl aller bef\u00f6rderten Fahrg\u00e4ste. Entscheidend w\u00e4re vielmehr,\u00a0zu welchen Tageszeiten, auf welchen Linien und in welchen Verkehrszellen die Busse im \u00d6PNV besonders stark frequentiert sind. Nur wenn man diese Zahlen kennt, lie\u00dfe sich die Behauptung, die Busse seien am Limit, verifizieren.\u00a0\u00dcber solche Erfahrungen und Zahlen scheint ESWE Verkehr auch zu verf\u00fcgen, denn auf zahlreichen Linien werden wegen des hohen Fahrgastaufkommens entweder zu bestimmten Zeiten Zusatzbusse f\u00fcr Verst\u00e4rkerfahrten eingesetzt und\/oder es werden\u00a0die Zeittakte verk\u00fcrzt.<\/p>\n<p>Im <a href=\"http:\/\/www.wiesbaden.de\/medien-zentral\/dok\/leben\/verkehr\/Bericht_NVP_WI_RTK_2015-mit-Impressum.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">gemeinsamen Nahverkehrsplan f\u00fcr Wiesbaden und den Rheingau-Taunus-Kreis 2015<\/a> finden sich zahlreiche solcher Anpassungen bei den Buslinien. Es finden sich dort auch Zahlen zu den t\u00e4glichen durchschnittlichen Fahrgaststr\u00f6men.<\/p>\n<div id=\"attachment_579\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-579\" class=\"wp-image-579 size-full\" src=\"http:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Abb_-10-Fahrgaststr\u00f6me-Buslinien-2015-1024x605.png\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"605\" srcset=\"https:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Abb_-10-Fahrgaststr\u00f6me-Buslinien-2015-1024x605.png 1024w, https:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Abb_-10-Fahrgaststr\u00f6me-Buslinien-2015-1024x605-300x177.png 300w, https:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/Abb_-10-Fahrgaststr\u00f6me-Buslinien-2015-1024x605-768x454.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-579\" class=\"wp-caption-text\">Gemeinsamer Nahverkehrsplan WI\/RTK 2015 Abb. 10 Fahrgaststtr\u00f6me<\/p><\/div>\n<p>Das Problem ist nur, dass diese Fahrgaststr\u00f6me nat\u00fcrlich nichts dar\u00fcber aussagen, ob die Fahrg\u00e4ste bestimmte Buslinien deshalb so stark nutzen, weil sie dies wollen oder weil sie dies m\u00fcssen. Wie gesagt werden fast alle Buslinien sternenf\u00f6rmig in und durch die beengte Innenstadt gef\u00fchrt. Wenn ein Fahrgast aber gar nicht in die Innenstadt (zur Arbeit oder f\u00fcr Besorgungen) m\u00f6chte, dann zwingt ihn das vorhandene fast 50 Jahre alte Liniennetz in den allermeisten F\u00e4llen\u00a0dazu, diesen &#8222;Umweg&#8220; trotzdem zu nehmen.<\/p>\n<p>Nach unserer Beobachtungen und den Ausk\u00fcnften der\u00a0Busfahrer sind praktisch nur\u00a0die Linien 4, 14 und 6 sind oft stark beansprucht bzw. an der Belastungsgrenze. Ansonsten ist die Lage bei den anderen Buslinien im Stadtgebiet einigerma\u00dfen\u00a0entspannt. Dass es zu den Sto\u00dfzeiten in den Bussen auf vielen Linien sehr voll ist, muss ohnehin hingenommen\u00a0werden. Der\u00a0Kapazit\u00e4tsbedarf kann sich n\u00e4mlich nie ausschlie\u00dflich an den Sto\u00dfzeiten orientieren, er muss\u00a0vielmehr den durchschnittlichen Nutzungsgrad und eben auch die Randzeiten ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Zusammenfassung:<\/p>\n<p>Die Aussage, in Wiesbaden seien die Busse am Limit, ist so nicht nachpr\u00fcfbar und auch nicht schl\u00fcssig. Es m\u00fcsste au\u00dferdem dargelegt werden, weshalb das fast 50 Jahre alte sternenf\u00f6rmige Liniennetz ein Tabu darstellen soll und weshalb nicht neue Tangentialverbindungen zu einer Entlastung der stark beengten Innenstadt beitragen k\u00f6nnten.\u00a0 Wer aus dem schnell wachsenden Wiesbadener Osten als Auspendler nach Mainz, Frankfurt, Taunusstein, R\u00fcsselsheim oder in den Rheingau m\u00f6chte, der muss\u00a0nicht zwingend durch die Innenstadt geschleust werden. Und wer dies trotzdem m\u00f6chte, der muss eben notfalls einen Zeit- und\u00a0Komfortverlust in Kauf nehmen.<\/p>\n<h5>Nutzungsverhalten<\/h5>\n<p>Es gibt Stimmen, die behaupten, eine Ausweitung des Busverkehrs durch z.B. Zusatzbusse der gleichen Linie, die unmittelbar hintereinander fahren, scheitere allen ernstes schon daran, dass die Fahrg\u00e4ste immer nur in den ersten Bus einsteigen bzw. sich dort hineinzw\u00e4ngen w\u00fcrden, so dass der Zusatzbus fast leer bleibe. Wenn nur der Nutzer nicht mitspielt, wie er eigentlich soll, ist dann ein Verkehrssystem tats\u00e4chlich am Limit?<\/p>\n<p>Das beschriebene\u00a0Ph\u00e4nomen gibt es in der Tat, es ist allerdings keineswegs typisch f\u00fcr den Busverkehr mit Zusatzbussen, sondern bei allen Verkehrsmitteln zu den Sto\u00dfzeiten zu beobachten. Regelm\u00e4\u00dfig steigen\u00a0eben auch bei\u00a0Z\u00fcgen, Stra\u00dfenbahnen und U-Bahnen die Fahrg\u00e4ste am liebsten in den vorderen Teil bzw. den ersten Wagen oder den ersten Zug ein. Wieso dieses teils durchaus\u00a0unvern\u00fcnftige Verhalten von Fahrg\u00e4sten aber als Beleg daf\u00fcr dienen soll, dass in Wiesbaden die Busse auch mit Zusatzbussen am Limit seien, ist nicht nachvollziehbar.<\/p>\n<p>Davon abgesehen gew\u00f6hnen sich die\u00a0Fahrg\u00e4ste auch in anderen St\u00e4dten irgendwann einmal daran, dass sie in Sto\u00dfzeiten besser in der Mitte oder ganz hinten in einem Langzug einer U-Bahn einsteigen bzw. auf den nur wenige Minuten sp\u00e4ter einfahrende\u00a0Zusatzzug\u00a0der gleichen Linie warten. Wenn dies immer noch nicht richtig funktioniert, dann k\u00f6nnen notfalls in den Hauptverkehrszeiten so genannte Einstiegslotsen zum Einsatz kommen. Dies wurde gerade in Frankfurt f\u00fcr S- und U-Bahn erfolgreich als Kooperation zwischen DB und RMV getestet. Die zus\u00e4tzlichen Personalkosten f\u00fcr die Einstiegslotsen w\u00e4ren im Vergleich zu den Investitionskosten einer Citybahn zu vernachl\u00e4ssigen.<\/p>\n<h5>Heilmittel\u00a0Citybahn<\/h5>\n<p>Die Behauptung, die Citybahn stelle das einzige Heilmittel gegen das angeblich am Limit befindliche Bussystem dar, ist aus weiteren Gr\u00fcnden nicht \u00fcberzeugend.<\/p>\n<p>Die Citybahn ben\u00f6tigt Platz zum Fahren und zwar f\u00fcr ein doppelgleisiges Schienensystem im eigenen Gleisk\u00f6rper von etwa 6,30 m Breite. Geplant ist n\u00e4mlich ein so genanntes Lichtraumprofil von 2,65 m f\u00fcr jede Richtung. Wo r\u00e4umlich gesehen aber Platz f\u00fcr den Bau eines solchen Schienensystems ist, da ist nat\u00fcrlich auch Platz f\u00fcr eine doppelte Busspur. Der Unterschied w\u00e4re nur, dass ein Bus\u00a0eben auch ohne Gleise und Oberleitung auskommt und dass\u00a01 Kilometer Gleis innerst\u00e4dtisch mindestens 12 Mio. \u20ac Baukosten f\u00fcr ein Schotterbett und mindestens 14,4 Mio. \u20ac f\u00fcr ein Grasbett verschlingt.<\/p>\n<p>Der Vorteil der Citybahn soll demnach alleine darin liegen, dass sie angeblich mehr Fahrg\u00e4ste bef\u00f6rdern kann, als Busse dies k\u00f6nnten. Die Machbarkeitsstudie vom November 2016 geht bei der Citybahn von einer Doppeltraktion (Doppelzug) mit 60 m L\u00e4nge aus und ESWE Verkehr behauptet, darin f\u00e4nden 480 Fahrg\u00e4ste Platz. Dies w\u00fcrde bedeuten, dass in einem Einzelzug 240 Personen bef\u00f6rdert werden k\u00f6nnten. All das ist zu bezweifeln.<\/p>\n<p>Auf der Website von\u00a0ESWE Verkehr findet sich unter dem <a href=\"https:\/\/www.eswe-verkehr.de\/unternehmen\/zahlen-und-fakten.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Men\u00fcpunkt Unternehmen &#8211; Zahlen und Fakten\u00a0&#8211;<\/a> eine \u00dcbersicht der eingesetzten Fahrzeuge. Wiederum unter &#8222;Gelenk-Omnibusse&#8220; ist ein Fahrzeug MAN Lion\u2019s City G (3 T\u00fcren)\u00a0Baujahr 2017 mit 18,75 m Gesamtl\u00e4nge aufgef\u00fchrt. Dieser Gelenkbus soll 53 Sitz- und 93 Stehpl\u00e4tze, zusammen also 146 Pl\u00e4tze aufweisen. Unter &#8222;Solo-Omnibusse&#8220;\u00a0finden sich Fahrzeuge\u00a0mit der Bezeichnung\u00a0EvoBus MB O 530 LE C2 der Baujahre 2014 bis 2017 mit 12 m Gesamtl\u00e4nge, die \u00a0\u00fcber 38 Sitz- und 56 Stehpl\u00e4tze, insgesamt also 94 Pl\u00e4tze verf\u00fcgen sollen.<\/p>\n<p>Rechnet man die Fahrzeugl\u00e4ngen und die Kapazit\u00e4ten des MAN Lion\u2019s City G Gelenkbusses und des\u00a0EvoBus MB O 530 LE C2 zusammen, so ergibt sich bei einer Gesamtl\u00e4nge von 30,75 m ein Platzangebot f\u00fcr 240 Fahrg\u00e4ste. Bis dahin w\u00fcrden die Busse nicht schlechter abschneiden als ein Einzelzug der Citybahn.<\/p>\n<p>\u00dcberpr\u00fcft man das Platzangebot von Bussen der <a href=\"https:\/\/www.mercedes-benz.de\/content\/germany\/mpc\/mpc_germany_website\/de\/home_mpc\/bus\/home\/new_buses\/models\/regular_service_busses\/_Citaro_c2\/facts\/technical_data_e6.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Firma Mercedes<\/a>, dann wird ein Gelenkbus\u00a0des Typs Citaro G von 18,125 m L\u00e4nge (4-t\u00fcrig) mit einer Bef\u00f6rderungskapazit\u00e4t von 163 Personen (42 Sitz- und 121 Stehpl\u00e4tze) und ein Solobus des Typs Citaro von 12 m L\u00e4nge mit einer Bef\u00f6rderungskapazit\u00e4t von 105 Personen (31 Sitz- und 74 Stehpl\u00e4tze) beworben. Beide Busse zusammen k\u00e4men auf eine Gesamtl\u00e4nge von 30,125 m und k\u00f6nnten zusammen sogar 268 Personen bef\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Wie sieht es nun mit einem Kapazit\u00e4ts-Vergleich zwischen diesen Bussen und\u00a0einer Stadtbahn wirklich aus?<\/p>\n<p>Bei Wikipedia hei\u00dft es unter &#8222;Stra\u00dfenbahn Mainz&#8220;, bei den dort zuletzt bestellten Fahrzeugen handele\u00a0es sich um Niederflurbahnen &#8222;Variobahn&#8220; der Firma Stadler Rail, welche bei\u00a0einer L\u00e4nge von 30 Metern Platz f\u00fcr 174 Fahrg\u00e4ste (66 Sitzpl\u00e4tze) bieten w\u00fcrden. Man kann diese Angaben noch direkt beim Hersteller Stadler Rail \u00fcberpr\u00fcfen. Dort findet sich unter den Referenzen u.a. die\u00a0Mainzer Verkehrsgesellschaft\u00a0und ein Datenblatt f\u00fcr die dortige Variobahn, in welchem die\u00a0Fahrzeugl\u00e4nge mit 30,068 m und die Zahl der Pl\u00e4tze mit maximal 73 Sitz- und 112 Stehpl\u00e4tzen angegeben wird, was in der Summe\u00a0Platz f\u00fcr 185 Fahrg\u00e4ste ergibt.<\/p>\n<p>Man kann dann noch weiter nach Niederflurbahnen anderer St\u00e4dte oder Hersteller recherchieren, eine Stadtbahn mit Meterspur f\u00fcr den 2-Richtungsbetrieb, in welcher bei einer Fahrzeugl\u00e4nge von 30 m f\u00fcr 240 Fahrg\u00e4ste Platz sein soll und den Vorgaben aus der Projektbeschreibung entspricht, haben wir nicht gefunden. Auch der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von ESWE Verkehr Herr Zemlin hat bis zum heutigen Tage keinen Hersteller und Fahrzeugtyp f\u00fcr eine Niederflurbahn im 2-Richtungsbetrieb und 30 m L\u00e4nge mit einer solchen Kapazit\u00e4t genannt, sondern Ende Dezember 2017 lediglich Vergleichsfahrzeuge\u00a0der Fa. Bombardier bezeichnet, welche entweder mit 36 m zu lang w\u00e4ren, nur f\u00fcr den 1-Richtungsbetrieb konstruiert oder nur auf Normalspur erh\u00e4ltlich sind.\u00a0Es scheint so, dass niemand eine der Machbarkeitsstudie 2016 entsprechende Niederflurbahn mit Platz f\u00fcr 240 Personen bezeichnen kann und\u00a0dass\u00a0die Citybahn demzufolge vom maximalen Platzangebot schlechter abschneidet, als 1 Gelenkbus und 1 Solobus und dies bei praktisch gleicher L\u00e4nge.<\/p>\n<p>Sachgerecht zu pr\u00fcfen w\u00e4ren zudem die Einsatzm\u00f6glichkeiten der so genannten Megabusse mit 21 oder sogar 24 m L\u00e4nge, welche bis zu 200 Personen bef\u00f6rdern k\u00f6nnen (siehe auch Bustypen bei\u00a0<a href=\"http:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/?page_id=40\">Alternativen zur Citybahn<\/a>). Solche\u00a0Doppelgelenkbusse der Firma Van Hool des Typs AGG 300 von 24 m L\u00e4nge sind laut Wikipedia in Hamburg auf der in Europa am meisten frequentierten Buslinie, der Metrobus-Linie 5, im Einsatz und haben zwischen 45 und 65 Sitzpl\u00e4tzen sowie ca. 150 Stehpl\u00e4tze. \u00a0Die Firma van Hool bietet mittlerweile mit dem Modell Exqui.City auch einen E-Bus sowie einen Brennstoffzellen-Bus von\u00a024 m L\u00e4nge und vergleichbarer Fahrgastkapazit\u00e4t an, der u.a. in Malm\u00f6 und\u00a0in Metz schon eingesetzt ist und demn\u00e4chst in Belfast sowie m\u00f6glicherweise in Hamburg beschafft wird. Das Modell Exqui.City ist zwar ein Bus, aber er bietet laut Hersteller den gleichen Komfort wie eine Stadtbahn, was auch aus zahlreichen <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=AMKBM79LM_I\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Videos auf Youtube <\/a>recht gut nachempfunden werden kann.<\/p>\n<div id=\"attachment_661\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-661\" class=\"wp-image-661 size-full\" src=\"http:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/van-Hool-Exqui_City-24-Metz-1024x573.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"573\" srcset=\"https:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/van-Hool-Exqui_City-24-Metz-1024x573.jpg 1024w, https:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/van-Hool-Exqui_City-24-Metz-1024x573-300x168.jpg 300w, https:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/van-Hool-Exqui_City-24-Metz-1024x573-768x430.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><p id=\"caption-attachment-661\" class=\"wp-caption-text\">Exqui.City 24 der Firma van Hool im Einsatz in Metz (Frankreich)<\/p><\/div>\n<p>Solche Megabusse oder Trambusse k\u00f6nnten selbstverst\u00e4ndlich von ihren Abmessungen und ihrem Abbiegeradius nicht auf allen Wiesbadener Stra\u00dfen durchkommen und\u00a0alle vorhandenen Haltestellen bedienen. Sie\u00a0k\u00f6nnten aber nat\u00fcrlich dort verkehren, wo\u00a0eine Citybahn als Einzelzug oder gar als Doppelzug verkehren soll.<\/p>\n<p>Und \u00fcberhaupt: Zwar kann nat\u00fcrlich eine Citybahn mehr Personen bef\u00f6rdern als ein Gelenk- oder Doppelgelenk-Bus, dies ist aber kein Wunder, denn eine Citybahn ist nun einmal das l\u00e4ngere Fahrzeug. Werden f\u00fcr die Citybahn 60 m oder gar seit neuestem sogar 70 m lange Bahnsteige geplant, so kann man ebenso bei den Bushaltestellen verfahren und diese k\u00f6nnen auch von mehreren Bussen im Konvoi gleichzeitig bedient werden. Der Unterschied w\u00e4re nur, dass Busse eben keine Gleise und Oberleitungen ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p>In der <a href=\"http:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/\u00dcberschl\u00e4gige-NKU-aus-Machbarkeitsstudie-2016.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00fcberschl\u00e4gigen NKU<\/a> der Machbarkeitsstudie vom November 2016 war davon die Rede, die Citybahn werde voraussichtlich 82.000 Fahrg\u00e4ste t\u00e4glich bef\u00f6rdern. Doch wo kommen diese Fahrg\u00e4ste eigentlich her? Diese Frage beantwortet die \u00fcberschl\u00e4gige NKU wie folgt:<\/p>\n<table width=\"374\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"299\">Fahrg\u00e4ste Citybahn t\u00e4glich\u00a0(ohne Binnenverkehr Mainz)<\/td>\n<td width=\"75\">82.000<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>davon verlagert von PKWs<\/td>\n<td>22.000<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>davon verlagert von S-Bahn<\/td>\n<td>3.700<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>davon verlagert vom Busverkehr<\/td>\n<td>56.300<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die einzigen Fahrg\u00e4ste, welche\u00a0die Citybahn wirklich dazu gewinnen soll, sind also 22.000 Personen, die angeblich ihren PKW k\u00fcnftig stehen lassen. Dies ist aber eine blo\u00dfe Hoffnung und keine gesicherte Erkenntnis.<\/p>\n<p>Die anderen Fahrg\u00e4ste sollen\u00a0angeblich\u00a0von der S-Bahn und den Bussen lediglich auf die Citybahn <em><strong>verlagert<\/strong><\/em> werden. Wenn aber t\u00e4glich 3.700 Fahrg\u00e4ste weniger die S-Bahn zwischen Wiesbaden und Mainz nutzen, dann wird man\u00a0darauf reagieren und ggfs. die Zuggr\u00f6\u00dfen und\/oder die Zeittakte der S-Bahn reduzieren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Und wenn\u00a0angeblich 56.300 Fahrg\u00e4ste nicht mehr die Busse nutzen w\u00fcrden, dann bedeutet dies, dass die Citybahn bestimmte Buslinien ersetzen m\u00fcsste. ESWE Verkehr hat sich noch nicht konkret dazu ge\u00e4u\u00dfert, welche\u00a0Buslinien ganz konkret stillgelegt oder ausged\u00fcnnt werden sollen (Linie 6?). Wenn aber einige Buslinien der Citybahn (wo genau?) weichen m\u00fcssten,\u00a0dann stellt sich die berechtigte Frage,\u00a0auf welchen Strecken die Citybahn den Busverkehr eigentlich \u00fcberhaupt entlasten k\u00f6nnte und ob der Busverkehr eben genau auf diesen Strecken am Limit sein soll. Eine Entlastung durch eine gr\u00f6\u00dfere Kapazit\u00e4t der Fahrzeuge ist jedenfalls rechnerisch, wie oben dargelegt,\u00a0nicht plausibel. Und auch die Zahl der t\u00e4glichen Berufspendler zwischen Wiesbaden und Mainz von 14.295, von denen mutma\u00dflich bislang nur\u00a02.244 den \u00d6PNV nutzen\u00a0(siehe oben Datengrundlagen) , l\u00e4sst objektive Zweifel an der angenommenen blo\u00dfen Umverlagerung von Bus auf Citybahn aufkommen.<\/p>\n<p>Die Annahmen aus der Machbarkeitsstudie 2016 sind durch die neue\u00a0NKU vom 12.12.2017 auch schon teilweise hinf\u00e4llig. Da es jetzt um eine Fahrstrecke der Citybahn \u00fcber Biebrich geht, gehen die Prognosen nach der &#8222;Standardisierten Bewertung&#8220; dahin, dass t\u00e4glich sogar bis zu 100.000 Personen dieses Verkehrsmittel auf seiner Gesamtstrecke zwischen Bad Schwalbach, Wiesbaden\u00a0und Mainz HBF nutzen werden. Allerdings sollen nicht mehr 22.000 PKW-Fahrten t\u00e4glich auf die Schiene umverlagert werden, sondern nur noch 17.000. Wieviel der 100.000 Personen vom Bus und von der S-Bahn auf die Citybahn umsteigen, wird in der Zusammenfassung der NKU vom 12.12.2017 nicht genannt.<\/p>\n<div id=\"attachment_241\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-241\" class=\"wp-image-241 size-full\" src=\"http:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/2017-12-12-Vorschlagslinie-Fahrgastaufkommen.png\" alt=\"\" width=\"630\" height=\"696\" srcset=\"https:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/2017-12-12-Vorschlagslinie-Fahrgastaufkommen.png 630w, https:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/2017-12-12-Vorschlagslinie-Fahrgastaufkommen-272x300.png 272w\" sizes=\"auto, (max-width: 630px) 100vw, 630px\" \/><p id=\"caption-attachment-241\" class=\"wp-caption-text\">Vorschlagslinie 12.12.2017 mit angenommenen Fahrgastaufkommen<\/p><\/div>\n<p>An dieser Grafik aus der NKU ist interessant, dass t\u00e4glich nur 15.600 Personen von Kastel nach Mainz und umgekehrt mit der Citybahn fahren, w\u00e4hrend dies im Innenstadtbereich zwischen 38.800 und 40.200\u00a0sein sollen. Diese Verteilung hat aber vermutlich nicht so sehr mit der Citybahn, sondern weitaus eher mit dem sternenf\u00f6rmigen Liniennetz zu tun, in welches die Citybahn\u00a0integriert werden soll. Wenn die Citybahn anstelle von Bussen durch die Innenstadt fahren soll, dann liegt es bei der gegenw\u00e4rtig bestehenden Netzstruktur auf der Hand, dass die Citybahn dort die meisten Fahrg\u00e4ste bekommen wird. Die Umverlagerung von Bus auf Citybahn entspricht aber nicht zwingend einer Notwendigkeit oder\u00a0den W\u00fcnschen der Fahrg\u00e4ste, sie wird vielmehr durch den blo\u00dfen Bau der Citybahn und die Ausd\u00fcnnung der Buslinien\u00a0quasi erzwungen.<\/p>\n<h5>Zeittakt<\/h5>\n<p>Wenn es zutreffend w\u00e4re, dass die Busse in Wiesbaden (allgemein oder wo genau?) am Limit sind und wenn es weiter richtig w\u00e4re, dass dies f\u00fcr die Verbindung nach Mainz und die Buslinie 6 gilt,\u00a0dann sei die Frage erlaubt, warum\u00a0auf genau dieser Buslinie ab dem Winterfahrplan 2015\/2016 der regul\u00e4re Zeittakt au\u00dferhalb des Berufsverkehrs von 7,5 Minuten auf 10 Minuten heraufgesetzt wurde. Dagegen\u00a0ist sogar ein 5 Minutentakt zu den Sto\u00dfzeiten offenbar\u00a0m\u00f6glich, indem ein Verst\u00e4rkerfahrzeug (Linie E 6) eingesetzt wird.<\/p>\n<p>Das Argument, der Zeittakt k\u00f6nne an bestimmten Haltstellen nicht noch mehr verk\u00fcrzt werden, verf\u00e4ngt au\u00dferdem nat\u00fcrlich dort, wo die Citybahn fahren soll, bestimmt nicht. So m\u00fcsste sich die Citybahn am Luisenplatz im Takt mit den dort fahrenden Buslinien abwechseln, d.h. die Situation w\u00fcrde nicht besser, sondern\u00a0sogar schlechter, es sei denn, es w\u00fcrden\u00a0dort\u00a0Buslinien eingestellt oder umgeleitet.<\/p>\n<p>Das Argument greift aber auch an den anderen Haltstellen nicht, wo die Citybahn nicht f\u00e4hrt. Dort wo sie nicht h\u00e4lt und f\u00e4hrt, kann sie keine Busse ersetzen\u00a0und folglich auch keine &#8211; angeblichen &#8211; Kapazit\u00e4tsvorteile ausspielen.<\/p>\n<p>Auf den m\u00f6glichen Zeittakt f\u00fcr den Busverkehr in der Innenstadt h\u00e4tte es dagegen Einfluss, wenn\u00a0die Verkehrszellen in der Innenstadt dadurch\u00a0entlastet w\u00fcrden, dass einige Buslinien, eventuell auf Wechselrouten\u00a0jeder zweite Bus,\u00a0vermehrt tangential an der Innenstadt vorbei gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Wenn es in Wiesbaden um\u00a0die Einf\u00fchrung eines Citybahn-Netzes f\u00fcr Milliardenbetr\u00e4ge und eine zeitliche Bindung an solch ein System f\u00fcr viele Jahrzehnte geht, dann sind die bisherigen Buslinien, deren Strecken sowie deren Zeittakte ganz gewiss kein Tabu. \u00dcber die Zukunft des Busverkehrs wird man sich\u00a0im Hinblick auf autonomes Fahren ohnehin schon sehr bald Gedanken machen m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"http:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/?page_id=20\"><strong>ZUR\u00dcCK<\/strong><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Stichwort Busse am Limit \u2013 Historisches, Datengrundlage, Verkehrszellen, Nutzungsverhalten, Heilmittel\u00a0Citybahn, Zeittakt ESWE Verkehr behauptet, das\u00a0Bussystem in Wiesbaden sei am Limit angekommen. 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