{"id":28,"date":"2018-11-03T14:36:03","date_gmt":"2018-11-03T14:36:03","guid":{"rendered":"http:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/?page_id=28"},"modified":"2020-09-08T21:51:20","modified_gmt":"2020-09-08T19:51:20","slug":"stichwort-zukunft-des-verkehrs","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/?page_id=28","title":{"rendered":"Stichwort Zukunft des Verkehrs"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Stichwort\u00a0Zukunft des Verkehrs<\/strong> \u2013 <em>autonomes Fahren<\/em>,<em> EU Verkehrsprognosen,<\/em> <em>Elektromobilit\u00e4t, Flexibilit\u00e4t, Verkehr \u201eon demand\u201c, Vernetzung von Verkehrstr\u00e4gern, Technologiebindung<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Autonomes Fahren<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Selbstfahrende Autos werden schon bald \u2013 die meisten Prognosen sehen einen Zeithorizont von weniger als 10 Jahren \u2013 Realit\u00e4t auf unseren Stra\u00dfen sein. Diese Technologie wird unsere Mobilit\u00e4t revolutionieren, und zwar besonders im Bereich des \u00f6ffentlichen Personenverkehrs. In dieser Situation noch Unmengen an Geld in ein System zu stecken, das keine Zukunft mehr hat, w\u00e4re eine h\u00f6chst fragw\u00fcrdige\u00a0Entscheidung.<\/p>\n<p>Selbstfahrende Autos erm\u00f6glichen individuelle Mobilit\u00e4t \u2013 also von Haust\u00fcr zu Haust\u00fcr, ohne Umsteigen und Warten an Haltestellen \u2013 zu Kosten, die wahrscheinlich noch unter denen des heutigen \u00f6ffentlichen Nahverkehrs liegen. Das ist leicht nachvollziehbar. In voll besetzten Bussen oder Bahnen verteilen sich die Kosten eines Fahrers zwar auf viele Fahrg\u00e4ste. Au\u00dferhalb der Spitzenzeiten oder der Stadtzentren sind die Fahrzeuge aber meist alles andere als voll besetzt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann man die Fahrzeuge seltener fahren lassen, oder nur wenige Strecken mit hohem Aufkommen bedienen, um die Kosten in den Griff zu bekommen. Dann steigen die effektiven Fahrzeiten durch Wartezeiten oder Umsteigen, was die Systeme nicht nur weniger attraktiv macht, sondern schlicht unpraktikabel, da die meisten Menschen mit ihrer Zeit sorgsam umgehen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Bereits heute k\u00f6nnen \u00f6ffentliche Nahverkehrssysteme nur mit hohen Subventionen am Laufen gehalten werden. Das ist heute noch \u2013 mit vielen Kompromissen \u2013 vertretbar, da f\u00fcr viele Menschen aus verschiedenen Gr\u00fcnden das Autofahren nicht m\u00f6glich oder nicht sinnvoll ist. Zuk\u00fcnftig wird es f\u00fcr eine solche Subventionierung keine echten Argumente mehr geben, schon gar nicht f\u00fcr Systeme vom Typ der Citybahn.<\/p>\n<p>Autonome Fahrzeuge werden \u2013 wie Taxis \u2013 auf Abruf verf\u00fcgbar sein, aber nur einen Bruchteil davon kosten. Verkehrsbetriebe in ihrer heutigen Form werden Flotten von Roboterfahrzeugen verschiedener Gr\u00f6\u00dfen betreiben \u2013 oder im Wettbewerb verschwinden.<\/p>\n<p>Das betrifft vor allem schienengebundene Systeme. Sie sind unflexibel, st\u00f6rungsanf\u00e4llig und teuer zu betreiben, sobald auch au\u00dferhalb von Spitzenzeiten attraktive Takte angeboten werden sollen. Wenn die Bahnen eigene Trassen bekommen, werden diese Fl\u00e4chen nicht effizient genutzt; Schienen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie die allermeiste Zeit leer sind. Teilen sich Schienenfahrzeuge den Verkehrsraum mit anderen Fahrzeugen, entstehen massive Sicherheitsprobleme \u2013 die Bremswege sind einfach wesentlich l\u00e4nger und Bahnen k\u00f6nnen nicht einmal ausweichen, wenn ein Bremsen nicht mehr m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Vielleicht ist es m\u00f6glich, solche Systeme noch eine Weile k\u00fcnstlich am Leben zu halten, indem man Unmengen an Steuergeld f\u00fcr Subventionen ausgibt\u2013 dieses Geld fehlt dann an anderer Stelle wo es sinnvoller eingesetzt werden k\u00f6nnte, etwa f\u00fcr Bildung.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund ist es also unsinnig, heute noch in den Neubau eines Systems zu investieren, das klar erkennbar keine Zukunft mehr hat.<\/p>\n<p><strong><em>EU-weite Megatrends<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Der Verkehr nimmt EU-weit zu, auch im urbanen Bereich. Alle Verkehrstr\u00e4ger bzw. alle Nutzer eint aber der Wunsch: sie wollen schnell und flexibel von A nach B kommen.<\/p>\n<p>Kurzfristig\u00a0wird Elektromobilit\u00e4t mit Schnellladung erreicht werden f\u00fcr Elektroautos, leichte Nutzfahrzeuge und Busse. Bis 2050 soll 70% der Mobilit\u00e4t elektrisch (vollelektrisch und Hybrid) stattfinden.<\/p>\n<p>Intelligentes Laden von Batterien wird m\u00f6glich sein, d.h. Ladestationen k\u00f6nnen pr\u00fcfen, wie mehrere\u00a0Fahrzeuge neben- oder nacheinander am besten\u00a0aufgeladen werden. Sie k\u00f6nnen auch den Energiefluss an mehreren Steckdosen der Ladestation unterschiedlich steuern und priorisieren. Solche Stationen k\u00f6nnen ihre Leistungsweitergabe au\u00dferdem zeitlich an der Auslastung des allgemeinen Stromnetzes\u00a0ausrichten\u00a0(Peak und Off-Peak).<\/p>\n<p>Verkehrsmittel und Bef\u00f6rderungsleistungen werden vermehrt\u00a0\u00fcber Portale m\u00f6glichst flexibel im Einzelfall gebucht. Bezahlt und verbucht wird nur die tats\u00e4chliche\u00a0Nutzung nach Zeit oder Wegstrecke\u00a0( pay \u201eper use\u201c). Wegen dieser m\u00f6glichen Einsparpotentiale und der gr\u00f6\u00dferen Flexibilit\u00e4t\u00a0wird umgekehrt die Bereitschaft f\u00fcr\u00a0Abos und Pauschalentgelte abnehmen, d.h. auch Monats- oder Jahreskarten werden\u00a0nicht mehr so gefragt sein.<\/p>\n<p>Neben oder zusammen mit Verkehr \u201eper use\u201c wird Verkehr \u201eon demand\u201c (auf Bestellung, z.B. Anruf) eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen. Etwas \u00c4hnliches\u00a0kennen viele wohl schon vom sogenannten\u00a0\u201eRufbus\u201c der RTV Rheingau-Taunus-Verkehrsgesellschaft, einem Kleinbus, der nur dann kommt, wenn er vorher bestellt wurde.<\/p>\n<p>Mittelfristig wird der Verkehr durch intelligente autonome Fahrzeuge gepr\u00e4gt sein. Dies meint nicht etwa nur den Individualverkehr, sondern gerade eben auch den \u00d6PNV (siehe oben Abschnitt \u201eAutonomes Fahren\u201c). Auf feste Strecken (= Gleise) und Zeiten (= Fahrpl\u00e4ne) muss dann keine R\u00fccksicht mehr genommen werden, ein autonomer Bus kann grunds\u00e4tzlich fahren wann und wo er hinbestellt wird und wie der Bedarf es gebietet.<\/p>\n<p>Zudem wird immer besser sichergestellt, innerhalb kurzer Zeit und f\u00fcr \u00fcberschaubare Kosten \u00fcber ein Fahrzeug mit passenden Eigenschaften aus Car-Sharing-Systemen verf\u00fcgen zu k\u00f6nnen.\u00a0Car-Sharing wird weiter an Bedeutung gewinnen und dazu beitragen, dass\u00a0die Fahrzeugdichte im Individualverkehr abnimmt. Der Besitz eines eigenen Fahrzeugs wird\u00a0keine Voraussetzung mehr f\u00fcr eine st\u00e4ndige Mobilit\u00e4t sein.<\/p>\n<p>Unter dem Stichwort \u201eConnected Mobility\u201c sind derzeit schon Konzepte in Arbeit, bei denen verschiedene Verkehrstr\u00e4ger bedarfsgerecht und flexibel vernetzt sind, so dass Reisende auch dann in k\u00fcrzestm\u00f6glicher Zeit und mit gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichem Komfort (z.B. wenige Umstiege oder kurze Wartezeiten) ans Ziel gelangen, wenn es bei einzelnen Abschnitten der Reise zu Ausf\u00e4llen oder Verz\u00f6gerungen kommt.<\/p>\n<p><strong><em>Herausforderungen f\u00fcr die Stadt der Zukunft<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wenn man sich diese Trends f\u00fcr die Zukunft des Verkehrs vor Augen h\u00e4lt, was bedeutet dies f\u00fcr eine Stadt wie Wiesbaden?<\/p>\n<ul>\n<li>Dem heutigen \u00d6PNV werden starke Konkurrenten entstehen, wo er heute noch eine Monopolstellung hat.\u00a0Auch im \u00d6PNV\u00a0gibt\u00a0aber k\u00fcnftig der Nutzer den Takt vor, nicht die st\u00e4dtischen Verkehrsbetriebe.<\/li>\n<li>Es werden nicht gro\u00dfe, starre Bef\u00f6rderungsangebote mit festen Fahrpl\u00e4nen, sondern kleinteilige, flexible Angebote in Verbindung mit intelligenten Buchungs- und Informationssystemen nebst Infrastruktur notwendig.<\/li>\n<li>Erhebliche Investitionen in das Stromnetz m\u00fcssen get\u00e4tigt werden und zwar f\u00fcr die gesamte Elektromobilit\u00e4t\/Lade-Infrastruktur und nicht nur f\u00fcr einzelne Verkehrstr\u00e4ger.<\/li>\n<li>Eine optimale Vernetzung aller Verkehrstr\u00e4ger muss sichergestellt werden.Was macht Wiesbaden? Die Politik und die CityBahn GmbH scheinen die Herausforderungen, die in der Zukunft des Verkehrs liegen, noch nicht verstanden zu haben. Die Citybahn als starres Schienensystem mit ihrer langfristigen Technologie- und Kostenbindung ist f\u00fcr die Zukunft des Verkehrs kontraproduktiv. Die Citybahn ist ein Konzept der Vergangenheit. Wiesbaden sollte seine Investitionsmittel besser f\u00fcr L\u00f6sungen einsetzen, die eine Zukunft haben.<\/li>\n<li>Viele europ\u00e4ische St\u00e4dte erarbeiten dazu \u201eSustainable Urban Mobility Plans\u201c, das sind\u00a0Stadtmobilit\u00e4tspl\u00e4ne, die\u00a0von der Europ\u00e4ischen Union (EU) unterst\u00fctzt werden. Solche\u00a0strategischen Pl\u00e4ne bzw.\u00a0Ma\u00dfnahmenpl\u00e4ne ber\u00fccksichtigen die gegenw\u00e4rtigen und k\u00fcnftigen Mobilit\u00e4tsbed\u00fcrfnisse der Menschen und sollen helfen, die Lebensqualit\u00e4t in Stadt und Umland zu verbessern.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"http:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/?page_id=20\"><strong>ZUR\u00dcCK<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Stichwort\u00a0Zukunft des Verkehrs \u2013 autonomes Fahren, EU Verkehrsprognosen, Elektromobilit\u00e4t, Flexibilit\u00e4t, Verkehr \u201eon demand\u201c, Vernetzung von Verkehrstr\u00e4gern, Technologiebindung Autonomes Fahren Selbstfahrende Autos werden schon bald \u2013 die meisten Prognosen sehen einen Zeithorizont von weniger als 10 Jahren \u2013 Realit\u00e4t auf unseren Stra\u00dfen sein. 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