{"id":1344,"date":"2019-03-14T19:02:45","date_gmt":"2019-03-14T18:02:45","guid":{"rendered":"http:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/?p=1344"},"modified":"2019-03-14T19:07:19","modified_gmt":"2019-03-14T18:07:19","slug":"13-03-2019-fiasko-mit-der-saarbahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/?p=1344","title":{"rendered":"14.03.2019 \u2013 Fiasko mit der Saarbahn"},"content":{"rendered":"<p>Die \u201eSaarbahn\u201c ist eine Stadt- und Regiobahn, welche derzeit auf einer Linie mit 43 Haltestellen den Hauptbahnhof in Saarbr\u00fccken mit Frankreich und Saargem\u00fcnd (Sarreguemines) im S\u00fcden sowie mit Lebach im Norden verbindet. Saarbr\u00fccken hat rund 183.000 Einwohner, Lebach rund 19.500 und Saargem\u00fcnd (Sarreguemines) rund 20.500 Einwohner, so dass es im Einzugsgebiet der Saarbahn unter Ber\u00fccksichtigung der an der Strecke befindlichen weiteren Gemeinden deutlich mehr als 223.000 Einwohner gibt.<\/p>\n<p>Mitte der 90er Jahren forderten Verkehrsplaner und Politiker auf Kommunal- und Landesebene im Saarland ein neues \u201eR\u00fcckgrat des saarl\u00e4ndischen \u00d6PNV\u201c in Gestalt der Saarbahn. Wie es damals hie\u00df und durch positive Nutzen-Kosten-Analysen scheinbar untermauert wurde, w\u00fcrden t\u00e4glich 90.000 Menschen in Saarbr\u00fccken vom Auto auf die Saarbahn umsteigen. Auch die Frankreich-Pendler aus Saargem\u00fcnd sowie die Autopendler aus dem Einzugsbereich im Nordsaarland bei Lebach w\u00fcrden ihr Auto stehen lassen und k\u00fcnftig die Saarbahn nutzen. Insgesamt sei mit 25 Millionen Fahrg\u00e4sten j\u00e4hrlich und sogar einem kostendeckenden Betrieb zu rechnen. Ausgehend von der Ausbaustufe 1 mit den Linien S1 und S2 als \u201eR\u00fcckgrat\u201c wurden sogleich noch weitere Saarbahn-Linien nach St. Wendel und St. Ingbert, nach Luxemburg und Lothringen geplant. Die Ausbaustufe 1 mit den Linien S1 und S2 wurde dann auch von Bund und Land mit zusammen 90 % subventioniert. Die Kosten sollten (Stand 1995) f\u00fcr beide Linien bei rund 267 Mio. \u20ac inklusive Planung und Fahrzeuge liegen.<\/p>\n<p>Es kam aber vieles anders mit der Saarbahn und m\u00fcndete in eine Art Fiasko.<\/p>\n<p>Ab etwa 2000 wurde die Saarbahn abschnittsweise aus den F\u00f6rdermitteln und den Eigenmitteln gebaut, allerdings beschr\u00e4nkt auf die Strecke f\u00fcr die Linie S1, die f\u00fcr sich genommen nach den Sch\u00e4tzungen aus 1995 knapp 27 Mio. \u20ac h\u00e4tte kosten d\u00fcrfen. \u00dcber die Jahre und die einzelnen Bauabschnitte stiegen die Baukosten f\u00fcr die Linie S1 und den Betriebshof aus verschiedensten Gr\u00fcnden aber um stolze 149 Mio. \u20ac. Erst im Oktober 2014 wurde schlie\u00dflich das letzte Teilst\u00fcck der Linie S1 fertiggestellt. Mittlerweile sollen die Gesamtkosten f\u00fcr die Linie S1 und die nicht realisierte Linie S2 auf rund das Doppelte des Ausgangsbetrages, n\u00e4mlich 425 Mio. \u20ac angewachsen sein.<\/p>\n<p>Der Betrieb der Saarbahn ist auch nicht, wie von den Planern damals vorhergesagt wurde, kostendeckend. Vielmehr mussten schon seit dem Jahr 2002 und nach Inbetriebnahme der ersten Teilabschnitte der Linie S1 erhebliche Defizite ausgeglichen werden, was zu verschiedenen Diskussionen zwischen dem Land und der Stadt Saarbr\u00fccken f\u00fchrte. Derzeit sollen die aus Steuermitteln zu finanzierenden Betriebskostenzusch\u00fcsse f\u00fcr die Saarbahn GmbH bei j\u00e4hrlich 8,5 bis 9 Mio. \u20ac liegen.<\/p>\n<p>Und die Fahrgastentwicklung? Auf der Linie S1 sollen statt der in der Planung kalkulierten 25 Mio. nur 13 Mio. Fahrg\u00e4ste j\u00e4hrlich unterwegs sein. F\u00fcr das Stadtgebiet Saarbr\u00fccken waren damals t\u00e4glich 90.000 Saarbahn-Kunden vorhergesagt worden, tats\u00e4chlich sollen es aktuell nur rund 40.000 sein. Und ab Saargem\u00fcnd (Sarreguemines) nutzt t\u00e4glich nur eine traurige Zahl von 350 Pendlern die Saarbahn. Demnach bef\u00f6rdert die Saarbahn also teilweise nicht einmal die H\u00e4lfte der in der Planung zugrunde gelegten Fahrg\u00e4ste und dies bei in etwa verdoppelten Kosten.<\/p>\n<p>Aber es kommt noch schlimmer: Die 28 Schienenfahrzeuge der Saarbahn sollen nach 20 bis 25 Jahren bereits technisch am Ende sein. Die Saarbahn GmbH hat daher bereits eine Ersatzbestellung angek\u00fcndigt. Die Kosten f\u00fcr 28 neue Fahrzeuge sollen bei \u00fcber 120 Mio. \u20ac liegen, was einem St\u00fcckpreis von rund 4,3 Mio. \u20ac entspr\u00e4che. Das Land hofft auf Bundeszusch\u00fcsse und will offenbar 36 Mio. \u20ac selbst tragen. Diese Beteiligung von 30 % ist jedenfalls im Landeshaushalt 2019\/2020 f\u00fcr die Ersatzbeschaffung von Z\u00fcgen ab 2022 genannt.<\/p>\n<p>Und zu guter Letzt drohen der Saarbahn noch R\u00fcckforderungsanspr\u00fcche aus den gew\u00e4hrten Bundes- und Landeszusch\u00fcssen von derzeit gut 8 Mio. \u20ac, denn die gew\u00e4hrten Zuwendungen wurden nicht durchg\u00e4ngig sachgerecht verwendet. Die Linie S2 wurde nicht realisiert, so dass Teile der Infrastruktur, wie z.B. beim Betriebshof, \u00fcberfl\u00fcssig oder \u00fcberdimensioniert hergestellt wurden.<\/p>\n<p>[Quelle mit zahlreichen weiteren Fundstellen: SaarlandInside \u2013 Der Journalistenblog &#8211; <a href=\"https:\/\/www.saarlandinside.de\/saarbahn-bilanz-170-mio-teurer-zu-wenig-fahrgaeste\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.saarlandinside.de\/saarbahn-bilanz-170-mio-teurer-zu-wenig-fahrgaeste\/<\/a>]<\/p>\n<p>Fazit: Bei der Saarbahn hat sich keine der ma\u00dfgeblichen Prognosen aus den Planungen bewahrheitet. Die Bau- und Einrichtungskosten f\u00fcr diese Stadt- und Regiobahn sind explodiert, der laufende Betrieb ist defizit\u00e4r und nur etwa die H\u00e4lfte der angestrebten Fahrgastzahlen wurde erreicht. Die Fahrzeuge der Saarbahn halten offenbar auch nicht viel l\u00e4nger als Busse und m\u00fcssen schon nach 20 bis 25 Jahren ausgetauscht werden. Das Projekt Saarbahn wurde damit nicht zum gew\u00fcnschten R\u00fcckgrat des \u00d6PN im Saarland sondern zu einem teuren Luxus. Das Beispiel Saarbahn sollten sich in Wiesbaden die Bef\u00fcrworter der Citybahn gut vor Augen f\u00fchren. Nicht jedes Schienenverkehrsprojekt f\u00fchrt auch zum geplanten Erfolg. Manch Projekt scheitert vielmehr (vgl. auch die Liste anderer gescheiterter Schienenprojekte am Ende unserer Seite <a href=\"http:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/?page_id=18\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mitbestimmung<\/a>). Und zu bedenken ist vor allen Dingen, dass eine Stra\u00dfenbahn rund das Dreifache dessen kostet, was ein (emissionsfreies) E-Bus-System kosten w\u00fcrde. (vgl. den <a href=\"http:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/?p=933\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beitrag zur IHK Info-Veranstaltung vom 10.08.2018<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u201eSaarbahn\u201c ist eine Stadt- und Regiobahn, welche derzeit auf einer Linie mit 43 Haltestellen den Hauptbahnhof in Saarbr\u00fccken mit Frankreich und Saargem\u00fcnd (Sarreguemines) im S\u00fcden sowie mit Lebach im Norden verbindet. 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