{"id":1586,"date":"2020-03-18T18:58:33","date_gmt":"2020-03-18T17:58:33","guid":{"rendered":"https:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/?p=1586"},"modified":"2020-09-11T12:50:54","modified_gmt":"2020-09-11T10:50:54","slug":"aus-aktuellem-anlass-corona-der-miv-und-die-lehren-fuer-die-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/?p=1586","title":{"rendered":"18.3.2020 &#8211; Aus aktuellem Anla\u00df &#8211; Corona, der MIV und die Lehren f\u00fcr die Zukunft"},"content":{"rendered":"<p>Aus aktuellem Anla\u00df &#8211; Corona und der MIV:<\/p>\n<p>Niemand wei\u00df heute, wie sich die n\u00e4chsten Wochen und Monate entwickeln werden. Gut m\u00f6glich, da\u00df auch in Deutschland \u2013 nach Italien, Spanien, Frankreich und \u00d6sterreich &#8211; schon bald weitgehende Ausgangssperren angeordnet werden.<\/p>\n<p>Damit zumindest ein Teil der Wirtschaft weiterlaufen kann, m\u00fcssen Menschen zu ihrem Arbeitsplatz gelangen. Auch wenn einige das nicht gerne h\u00f6ren werden: Massentransportmittel des \u00d6PNV bringen ein erh\u00f6htes Infektionsrisiko f\u00fcr die Fahrg\u00e4ste und auch f\u00fcr das Personal mit sich, weil dort ein von den Fachleuten geforderter \u201esozialer Abstand\u201c von 1 bis 2 m und eine durchg\u00e4ngige Desinfektion von Sitzen, Griffen etc. praktisch nicht gew\u00e4hrleistet werden kann. Bei einer individuellen Mobilit\u00e4t, gerade auch einer solchen mit einem eigenen PKW, ist das Ansteckungsrisiko dagegen nahe Null. Wer will es den Menschen also in diesen Zeiten verdenken, wenn sie dem \u00d6PNV, falls m\u00f6glich, den R\u00fccken kehren?<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen daher in doppelter Hinsicht eigentlich froh sein, da\u00df es einen relativ hohen Individualverkehr gibt. In diesen Zeiten reduziert nicht nur jeder Radfahrer, sondern eben auch jeder Autonutzer das Ansteckungsrisiko f\u00fcr sich und sein Umfeld. Der weitere positive Effekt ist, da\u00df weniger Menschen in Bussen, Stra\u00dfenbahnen und Nahverkehrsz\u00fcgen ein geringeres Infektionsrisiko f\u00fcr diejenigen bedeutet, die wirklich auf diese Transportmittel angewiesen sind.<\/p>\n<p>Was kann die Politik hier tun? Es w\u00e4re dar\u00fcber nachzudenken, den Menschen, die vielleicht wirklich lieber mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln gefahren w\u00e4ren, das Leben nicht noch zus\u00e4tzlich schwer zu machen, indem ihnen\u00a0 \u00a0etwa zu Beginn oder am Ende eines anstrengenden Arbeitstags &#8211; noch endlose Parksuchfahrten oder lange Wege zugemutet werden.<\/p>\n<p>Wie weit Parkraumbewirtschaftung und planm\u00e4\u00dfige Verkehrseinschr\u00e4nkungen f\u00fcr den motorisierten Individualverkehr gehen sollten, mag man in normalen Zeiten kontrovers diskutieren. Dies sind aber keine normale Zeiten, und das wird noch eine ganze Weile so bleiben. Geboten w\u00e4re, kostenpflichtiges Parken im \u00f6ffentlichen Raum bis zum Ende der Coronakrise auszusetzen. Wo m\u00f6glich, sollten auch Parkh\u00e4user kostenlos werden und rund um die Uhr ge\u00f6ffnet sein. Noch besser w\u00e4re, zus\u00e4tzlichen Parkraum zu schaffen, beziehungsweise k\u00fcnstliche Parkraumverknappung r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen, wo dies mit geringem Aufwand m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen annehmen, da\u00df in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft die unmittelbare Bedrohung durch Corona vorbei sein wird. Aber schon heute ist klar, da\u00df Corona Folgen haben wird, in Form einer schweren wirtschaftlichen Belastung. Corona wird viele Branchen hart treffen, und wenn Deutschland nicht komplett in Schulden versinken soll, wird es kein Geld f\u00fcr ideologiegetriebene Luxusprojekte wie die Citybahn mehr geben k\u00f6nnen. Was bringt ein weiteres Massentransportmittel in die Innenstadt, wenn es dort keine Gesch\u00e4fte und Ausgehm\u00f6glichkeiten mehr gibt oder die Unternehmen nach einer massiven wirtschaftlichen Schw\u00e4chung durch die Corona-Krise dann gleich wieder jahrelange Umsatzeinbu\u00dfen durch stadtweite Baustellenaktivit\u00e4ten verkraften m\u00fcssen?<\/p>\n<p>Dazu kommt noch etwas ganz anders. Auch wenn diese Krise \u00fcberwunden ist \u2013 Covid19 war nicht das erste Virus mit einem solch zerst\u00f6rerischen Potential und wird nicht das letzte sein. Wahrscheinlich dachten die meisten Menschen auf diesem Planeten \u2013 und die in den wohlhabenden, hochentwickelten L\u00e4ndern ganz sicher \u2013 da\u00df die Zeit der Pandemien vorbei sei. Das Gegenteil ist in unserer globalisierten Gesellschaft der Fall. Was wir jetzt schon gelernt haben: Hochverdichtete urbane R\u00e4ume sind ein ideales Ausbreitungsgebiet f\u00fcr solche Pandemien.<\/p>\n<p>Wenn wir die Verst\u00e4dterung \u2013und damit verbunden auch den Vormarsch von Massentransportmitteln \u2013 einen Megatrend nennen, entsteht der Eindruck, dies sei etwas Unvermeidliches oder sogar etwas, das begr\u00fc\u00dft und gef\u00f6rdert werden sollte. Wir haben nun mehr als deutlich vor Augen gef\u00fchrt bekommen, welche immensen Risiken dieses Leben in Ballungsr\u00e4umen mit sich bringt.<\/p>\n<p>Es mag sein, da\u00df es L\u00e4nder gibt, in denen die Geburtenraten das ungebremste Wachstum und die immer weitere Verdichtung von Ballungsr\u00e4umen unvermeidlich machen. F\u00fcr Deutschland, und f\u00fcr die meisten anderen europ\u00e4ischen L\u00e4nder, gilt dies sicher nicht. Die Lektion, die wir gerade bekommen, mu\u00df in die zuk\u00fcnftige Raum- und Stadtplanung einflie\u00dfen.<\/p>\n<p>Auch vor der Coronakrise ist die Verst\u00e4dterung erkennbar an ihre Grenzen gesto\u00dfen. Selbst wenn man nur \u00e4u\u00dfere Faktoren wie die explodierenden Mieten in Ballungsr\u00e4umen betrachtet, und nicht nach der Lebensqualit\u00e4t beim Leben auf wenig Fl\u00e4che und mit zuviel ungewollter N\u00e4he zu zu vielen Menschen fragt &#8211; das Hinnehmen von Landflucht und die immer weitere Verdichtung von st\u00e4dtischen R\u00e4umen ist keine nachhaltige L\u00f6sung.<\/p>\n<p>Jetzt gibt es erst recht keine Ausrede mehr, zuk\u00fcnftige Strategien darauf auszurichten, weiteres Wachstum von Ballungsr\u00e4umen zu verhindern. In einem ersten Schritt sollten Anreize f\u00fcr die Ansiedlung von noch mehr \u201eLeutemagneten\u201c wie gro\u00dfen Firmen und Verwaltungseinheiten oder auch Hochschulen in Ballungsgebieten zugunsten einer besseren Verteilung in der Fl\u00e4che beseitigt werden. Dazu mu\u00df eine langfristig angelegte Strategie kommen, solche Strukturen wieder aus den Ballungszentren herauszudr\u00e4ngen. Dies wird keine leichte Aufgabe sein; es wird Zeit und auch Geld brauchen, dies umzusetzen. Sehen wir die aktuelle Pandemie als Chance, uns deutlich vor Augen zu f\u00fchren, was geschieht, wenn zu viele Menschen auf zu engem Raum leben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus aktuellem Anla\u00df &#8211; Corona und der MIV: Niemand wei\u00df heute, wie sich die n\u00e4chsten Wochen und Monate entwickeln werden. 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