{"id":1733,"date":"2020-09-03T13:25:25","date_gmt":"2020-09-03T11:25:25","guid":{"rendered":"https:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/?p=1733"},"modified":"2020-09-03T14:31:14","modified_gmt":"2020-09-03T12:31:14","slug":"03-09-2020-keine-ueberraschung-die-citybahn-wird-mindestens-40-teurer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/?p=1733","title":{"rendered":"03.09.2020 &#8211; keine \u00dcberraschung: Die Citybahn w\u00e4re mindestens 40 % teurer"},"content":{"rendered":"<p>Die Ende August in den Medien verbreiteten Kosten zur Citybahn sind erneut Anlass f\u00fcr eine Aufkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Die bis vor kurzem beharrlich (laut Machbarkeitsstudie 2016) kommunizierten reinen Baukosten f\u00fcr den Fahrweg (Mainz \u00fcber Wiesbaden bis Bad Schwalbach) sollten sich angeblich auf \u20ac 305 Mio. belaufen. Hierzu war eine F\u00f6rderung durch Bund &amp; Land von bisher 87,5% avisiert, also w\u00e4ren 12,5% von der CityBahn GmbH und ihren Gesellschaftern alleine zu tragen, was rund \u20ac 38 Mio. ausmacht.<\/p>\n<p>Dazu kamen (Stand Machbarkeitsstudie 2016) rund \u20ac 78 Mio. f\u00fcr die Fahrzeuge, rund \u20ac 6 Mio. f\u00fcr die Erweiterung des ESWE-Betriebshofs sowie Planungs-\/Nebenkosten von \u20ac 59 Mio., was weiteren Kosten von \u20ac 143 Mio. entsprach, die nach damaligen Stand ohne F\u00f6rderzusch\u00fcsse von der Citybahn Gesellschaft zu tragen gewesen w\u00e4ren. Gesch\u00e4tzte Gesamtkosten also damals \u20ac 448 Mio.<\/p>\n<p>Die Gesamtbelastung der Citybahn GmbH h\u00e4tte sich aufgrund der bislang gesch\u00e4tzten Kosten demnach auf Baukosten Fahrweg von \u20ac 38 Mio. und Fahrzeugbeschaffungs- und Planungskosten von \u20ac 143 Mio. =\u00a0 \u20ac 181 Mio. belaufen.<\/p>\n<p>Laut Stand August 2020 soll nun der Zuschuss von Bund &amp; Land auf 90% ansteigen. Die Baukosten f\u00fcr den Fahrweg sollen aber um rund 40 %, d.h. um \u20ac 121 Mio. angestiegen sein und nunmehr \u20ac 426 Mio. betragen. Das bedeutet: Die Citybahn GmbH h\u00e4tte f\u00fcr den Bau des Fahrwegs zwar eine geringere Quote, aber von einem h\u00f6heren Ausgangsbetrag zu tragen. Die Belastung w\u00e4re effektiv h\u00f6her, da 10% von \u20ac 426 Mio. nun einmal \u20ac 42,6 Mio. ergeben.<\/p>\n<p>Dazu k\u00e4men aber weiterhin zumindest die mit h\u00f6chster Wahrscheinlichkeit \u00fcberholten Kosten aus 2016 f\u00fcr die Ma\u00dfnahmen au\u00dferhalb des reinen Fahrwegs (Fahrzeuge, Planung etc.) von wenigstens \u20ac 181 Mio., bei denen ungekl\u00e4rt ist, inwieweit diese neuerdings nun doch von Bund oder Land subventioniert werden k\u00f6nnten. Dort werden sicherlich auch deutlich h\u00f6here Kosten (40 % ?) zu erwarten sein, die allerdings (Stand August 2020) nicht genannt werden. Grunds\u00e4tzlich sollen Baunebenkosten mit 19 % der Bausumme veranschlagt werden. Dies w\u00fcrde bedeuten, dass allein die Planungskosten von \u20ac 59 Mio. auf \u20ac 81 Mio. noch ansteigen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Ber\u00fccksichtigt man aber alleine die aktuellen um \u20ac 121 Mio. auf \u20ac 426 Mio. erh\u00f6hten Baukosten f\u00fcr den Fahrweg und schl\u00e4gt diesen die Kosten f\u00fcr Fahrzeugbeschaffung und Planung nach alter Sch\u00e4tzung (Stand 2016) von \u20ac 143 Mio. zu, so w\u00fcrden sich Gesamtkosten von <strong><u>mindestens \u20ac 569 Mio.<\/u><\/strong> ergeben.<\/p>\n<p>Solange die zus\u00e4tzlichen Kosten f\u00fcr Fahrzeugbeschaffung und Planung nicht aktualisiert und auf den Stand August 2020 gebracht sind und solange keine verl\u00e4sslichen Informationen oder gar Zusagen f\u00fcr eine Teil-F\u00f6rderung durch Bund &amp; Land f\u00fcr Fahrzeugbeschaffung und Planung vorliegen, ist es schlicht unzul\u00e4ssig zu behaupten, die Citybahn GmbH m\u00fcsse trotz gestiegener Baukosten f\u00fcr den Fahrweg am Ende weniger selbst aufbringen, als 2016 kalkuliert wurde.<\/p>\n<p>Die bisherige Kostensteigerung f\u00fcr den reinen Fahrweg in 4 Jahren von 2016 bis 2020 kann auch nicht \u00fcberraschen, denn in der Regel liegen die finalen Fertigstellungskosten bei vergleichbaren \u00f6ffentlichen Bauvorhaben 30 % bis sogar 100% \u00fcber den urspr\u00fcnglich kalkulierten Kosten. Der Stand der Kosten im August 2020 ist auch gewiss nicht der endg\u00fcltige Stand der Kosten. M\u00f6glicherweise k\u00f6nnten durch Mehraufwand und Sonderw\u00fcnsche (Teilstrecken ohne Oberleitung, Rasengleise, Umplanungen etc.) in den n\u00e4chsten 4 Jahren, also bis 2024, nochmals Steigerungen von 40 % zu erwarten sein. Nach den Vorstellungen der Planungsgemeinschaft k\u00f6nnte fr\u00fchestens in 2026 mit einer Inbetriebnahme der Citybahn gerechnet werden. Das w\u00e4ren dann nochmals 2 weitere Jahre mit Preissteigerungen.<\/p>\n<p>\u00dcbergangen wird bei der Diskussion \u00fcber die Kosten und die Zusch\u00fcsse au\u00dferdem etwas ganz Wichtiges: <strong><u>Jeder F\u00f6rder-Euro ist auch ein Steuer-Euro!<\/u><\/strong>\u00a0Was Bund &amp; Land f\u00fcr die Citybahn zuschie\u00dfen w\u00fcrden, kann an anderer Stelle nicht mehr ausgegeben werden.<\/p>\n<p>Mit den Kosten f\u00fcr die Inbetriebnahme einer Citybahn w\u00e4re es aber nicht getan. V\u00f6llig unber\u00fccksichtigt und in der medialen &amp; kommunalpolitischen Diskussion unterdr\u00fcckt werden die sogenannten Netto-Erhaltungsinvestitionen (Wartung von Fahrzeugen und Strecke ohne Modernisierung) sowie die Verluste ab dem Tag der Inbetriebnahme der Citybahn. Diese Netto-Erhaltungsinvestitionen w\u00fcrden durch die Citybahn zus\u00e4tzlich anfallen, Einsparungen w\u00e4ren nicht denkbar, denn die Citybahn w\u00e4re ein zus\u00e4tzlicher Verkehrstr\u00e4ger und die Busflotte mit ihrer Infrastruktur bliebe ja erhalten.<\/p>\n<p>Die Netto-Erhaltungsinvestitionen f\u00fcr solche Verkehrsinfrastrukturprojekte werden nach einer g\u00e4ngigen Faustformel auf 30 Jahre betrachtet und mit den Kosten der Inbetriebnahme, mindestens aber den reinen Baukosten kalkuliert. Wenn die reinen (derzeitigen) Baukosten von \u20ac 426 Mio. auf 30 Jahre verteilt w\u00fcrden, w\u00e4ren dies j\u00e4hrliche Netto-Erhaltungsinvestitionen f\u00fcr eine Citybahn von rund \u20ac 14 Mio., die nicht von Bund &amp; Land subventioniert werden.<\/p>\n<p>Neben den Netto-Erhaltungsinvestitionen von mutma\u00dflich wenigstens \u20ac 426 Mio. m\u00fcssen aber noch die zu erwartenden Betriebsverluste kalkuliert werden, die ebenfalls nicht von nicht von Bund &amp; Land \u00fcbernommen werden und mit denen die Citybahn GmbH ebenfalls selbst klarkommen und unter ihren Gesellschaftern aufteilen m\u00fcsste. Es k\u00f6nnte von \u20ac 10 &#8211; 20 Mio. Verlust pro Jahr ausgegangen werden, d.h. bei einem Mittelwert von \u20ac 15 Mio. j\u00e4hrlich in 30 Jahren von insgesamt \u20ac 450 Mio. als Zusatzbelastung zu den reinen anf\u00e4nglichen Bau- und Einrichtungskosten.<\/p>\n<p>Rechnet man die obige Zusatzbelastung des 30-Jahres-Zeitraums f\u00fcr Netto-Erhaltungsinvestitionen von \u20ac 426 Mio. sowie Betriebsverluste von \u20ac 450 Mio. mit den Mindestkosten f\u00fcr Bau- und Inbetriebnahme von derzeit vorsichtig gesch\u00e4tzten \u20ac 569 Mio. zusammen, so erg\u00e4be sich schon jetzt ein Betrag von \u20ac 1,445 Mrd., der hoffentlich deutlich macht, um welches Finanzvolumen es bei der Citybahn ginge. Die Citybahn ist, wie wir es schon immer deutlich gemacht haben, ein Milliarden Projekt oder eben ein Milliarden Grab.<\/p>\n<p>Wiesbaden braucht sicher vieles, aber keine Citybahn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ende August in den Medien verbreiteten Kosten zur Citybahn sind erneut Anlass f\u00fcr eine Aufkl\u00e4rung. Die bis vor kurzem beharrlich (laut Machbarkeitsstudie 2016) kommunizierten reinen Baukosten f\u00fcr den Fahrweg (Mainz \u00fcber Wiesbaden bis Bad Schwalbach) sollten sich angeblich auf \u20ac 305 Mio. belaufen. 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