{"id":2272,"date":"2020-12-15T19:48:30","date_gmt":"2020-12-15T18:48:30","guid":{"rendered":"https:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/?p=2272"},"modified":"2020-12-15T19:52:14","modified_gmt":"2020-12-15T18:52:14","slug":"9-12-20-webinar-expertenwerk-stadt-die-citybahn-auf-dem-langen-marsch-durch-die-instanzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/?p=2272","title":{"rendered":"(9.12.20) Webinar Expertenwerk.Stadt: Die Citybahn auf dem Langen Marsch durch die Instanzen?"},"content":{"rendered":"<p>(9.12.20) Webinar Expertenwerk.Stadt: Die Citybahn auf dem Langen Marsch durch die Instanzen?<\/p>\n<p>Vor kurzem erhielt ich eine Einladung vom Dezernat f\u00fcr Stadtentwicklung und Bau und des Stadtplanungsamts, f\u00fcr ein Webinar zum Thema \u201ePost-Corona-Stadt\u201c.<\/p>\n<p>Wenn sich jemand \u00fcber die dahinterstehende Organisation informieren will &#8211; Details hierzu gibt es <a href=\"dein.wiesbaden.de\/expertenwerkstadt\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Stadtentwicklung ist zwar nicht direkt mein Gebiet; Verkehrspolitik und Stadtentwicklungspolitik sind andererseits schon zwei Seiten derselben Medaille. Ich gestehe, da\u00df ich durch die BI-Arbeit meinen Glauben an das Gute im Politiker ein St\u00fcck weit verloren habe, und mir ist klar, da\u00df all die Citybahn-Fans nicht einfach aufgeben, sondern nur auf eine neue Gelegenheit warten, ihre Agenda weiter zu betreiben. Und bei solchen Gelegenheiten kommen bei mir auch immer noch die posttraumatischen Erinnerungen an das Mobilit\u00e4tsleitbild hoch.<\/p>\n<p>Insofern habe ich schon bei der Liste der Vortragenden eine gewisse Skepsis versp\u00fcrt \u2013 jede Menge Soziologen, die Vorsitzende des Wiesbadener Gestaltungsbeirats, jemand von Fridays for Future\u2026also schon eher Leute, die eine gewisse, sagen wir mal, Schlagseite haben, beziehungsweise eine gewisse Agenda. Insofern war es auch nicht \u00fcberraschend, da\u00df von mehr als einer Person Bedauern dar\u00fcber ge\u00e4u\u00dfert wurde, da\u00df das gro\u00dfartige Produkt Citybahn von den ignoranten Wiesbadenern mit gro\u00dfer Mehrheit abgelehnt wurde. Es mag sein, da\u00df dies eine durch besagte traumatische Erinnerungen \u00fcbertriebene Sensibilit\u00e4t ist, aber ich meinte doch, da\u00df durch diese Veranstaltung ein leichtes Aroma von \u201ewir werden diesen renitenten Dumpfbacken schon noch klarmachen, wie toll ein schienengebundenes Massentransportmittel quer durch Wiesbaden ist\u201c wehte.<\/p>\n<p>Von diesen letztendlich erwartbaren Aspekten einmal abgesehen fand ich es dann aber doch spannend, wie das Thema \u201eCorona\u201c mit den hinl\u00e4nglich bekannten st\u00e4dteplanerischen Paradigmen zu einem \u201eweiter so\u201c zusammenger\u00fchrt wurde. Der Begriff \u201eresiliente Stadt\u201c fiel mehr als einmal. Mir als Laien w\u00fcrde dabei einfallen, da\u00df gr\u00f6\u00dfere Resilizenz gegen\u00fcber einer durch die Luft \u00fcbertragbaren Seuche vielleicht darin bestehen k\u00f6nnte, Menschendichte zu reduzieren, sei es in vollen Gesch\u00e4ften, Veranstaltungsorten oder eben in besagten Massentransportmitteln. Aber nun ja \u2013 es ist menschlich, und somit auch bei Soziologieprofessoren nachvollziehbar, da\u00df sie sich eine wahrscheinlich \u00fcber Jahrzehnte aufgebaute Agenda und Theoriewelt nicht von so etwas wie einer Pandemie kaputtmachen lassen wollen.<\/p>\n<p>Ich will jetzt nicht die ganze Veranstaltung durchkauen \u2013 so viele Notizen habe ich mir auch nicht gemacht -, aber zumindest Prof Nr. 1 hatte schon, nat\u00fcrlich in meiner \u00e4u\u00dferst subjektiven Wahrnehmung, ein Problem damit, die Kurve von einer schon sehr top level-m\u00e4\u00dfigen Sichtweise zu Corona zu bekommen. Schade in diesem Zusammenhang, da\u00df es keinen gemeinsamen Textkanal gab, auf dem alle ihre Fragen oder Kommentare posten\/lesen konnten. Teilnehmer konnten die Veranstalter anchatten oder Fragen posten \u2013 entweder gab es sehr viele Fragen und es kam nicht jede dran, oder meine waren nicht okay \u2013 jedenfalls hatte ich nicht den Eindruck, da\u00df es da irgendwie einen R\u00fcckkanal gab.<\/p>\n<p>Was das Kurvekriegen angeht, hatten auch andere Teilnehmer so ihre Schwierigkeiten \u2013 nur beispielhaft, Ms. F4F mu\u00dfte nat\u00fcrlich irgendwie ihr MIV-Bashing unterbringen, an einer Stelle blitzte auch kurz mal Bedauern auf, da\u00df junge Leute durch Corona momentan doch ein wenig an Auslandspraktika gehindert werden (zu denen sie selbstverst\u00e4ndlich nicht per Flugzeug, sondern sicher per Rad oder wenigsten mit einer windbetriebenen Hochleistungs-Segelyacht reisen).<\/p>\n<p>Wobei ich nicht sagen w\u00fcrde, da\u00df alle pr\u00e4sentierten Ideen per se unsinnig oder schlagseitig waren. Eine Stadt der kurzen Wege zwischen Wohnen, Einkaufen, Freizeit und Arbeiten ist sicherlich sinnvoll \u2013 wobei man sich dann nat\u00fcrlich auch fragt, wof\u00fcr dann Mittel- oder Kurzstrecken-Massentransportmittel gut sein sollen. Aber wie schon gesagt hatte ich in Summe den Eindruck, da\u00df \u201eCorona\u201c hier nur so etwas wie ein Teaser war und auch hier schon ein paar kognitive Denkschutzw\u00e4nde im Bau sind \u2013 ich denke dabei daran, da\u00df der Individualverkehr in Coronazeiten die Massentransportmittel entlastet und wahrscheinlich damit auch zur D\u00e4mpfung von Infektionsgeschehen beitr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Ich bin schon l\u00e4nger ziemlich sicher, da\u00df Verst\u00e4dterung und urbane Verdichtung aus Lebensqualit\u00e4t-Sicht der falsche Weg ist. Es mag ja nett sein, in Laufdistanz zwanzig Kneipen und zweihundert Gesch\u00e4fte zu haben &#8211; die negativen Effekte d\u00fcrften jedoch deutlich \u00fcberwiegen, auch schon vor Corona, in Pandemie-Zeiten sowieso. Und auch wenn dies (unwahrscheinlicherweise) die letzte von Mensch zu Mensch \u00fcbertragene Seuche gewesen sein sollte, macht auch unter dem Aspekt steigender sommerlicher Spitzentemperaturen eine r\u00e4umliche Ent-dichtung und Herausdr\u00e4ngen von \u201eLeutemagneten\u201c aus schon \u00fcbervollen Ballungsr\u00e4umen mehr Sinn als das jetzige Glaubenssystem, dem offenbar immer noch viele St\u00e4dteplaner anh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Entsprechende Widerspr\u00fcchlichkeiten waren auch immer wieder zu besichtigen \u2013 die Innenstadt als Einkaufs-Erlebnisr\u00e4ume, was eben notwendigerweise mit einer r\u00e4umlichen Konzentration, also eben nicht kurzen Wegen zum Wohnen einhergeht. Oder l\u00e4ndliche R\u00e4ume als Erholungszonen \u2013 f\u00fcr durch zu gro\u00dfe erzwungene N\u00e4he zu allzuvielen Menschen gestre\u00dfte St\u00e4dter, statt sich zu fragen, ob diese Stre\u00dffaktoren dann nicht besser gleich durch eine bessere Verteilung in die ja dann doch beanspruchte Fl\u00e4che erreicht werden kann. Die ja auch nicht Urwald ist, der erst erschlossen werden ist \u2013 da drau\u00dfen gibt es genug zuvor schon einmal besiedelt gewesene R\u00e4ume, die im Zuge einer Verst\u00e4dterung aufgegeben wurden.<\/p>\n<p>Aber ich bin ja auch kein Soziologe, sondern nur ein pragmatisch denkender Naturwissenschaftler und B\u00fcrger (und immer noch davon \u00fcberzeugt, da\u00df das autonome Fahren als \u00d6PNV 2.0 in nicht allzu ferner Zukunft der ganz gro\u00dfe Gamechanger in Sachen Mobilit\u00e4t sein wird, der l\u00e4ndliche R\u00e4ume endg\u00fcltig zur\u00fcck-erschlie\u00dfen wird). Auf jeden Fall war ein \u201eTakeaway\u201c aus dieser Veranstalter, da\u00df man als B\u00fcrger weiterhin wachsam bleiben sollte, wenn es um ideologisch motivierte Aktivit\u00e4ten im Bereich Stadtplanung und Verkehr geht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(9.12.20) Webinar Expertenwerk.Stadt: Die Citybahn auf dem Langen Marsch durch die Instanzen? Vor kurzem erhielt ich eine Einladung vom Dezernat f\u00fcr Stadtentwicklung und Bau und des Stadtplanungsamts, f\u00fcr ein Webinar zum Thema \u201ePost-Corona-Stadt\u201c. Wenn sich jemand \u00fcber die dahinterstehende Organisation informieren will &#8211; Details hierzu gibt es hier. 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