{"id":933,"date":"2018-08-10T13:21:50","date_gmt":"2018-08-10T11:21:50","guid":{"rendered":"http:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/?p=933"},"modified":"2020-10-25T17:51:59","modified_gmt":"2020-10-25T16:51:59","slug":"10-08-2018-die-citybahn-ist-eine-gigantische-anachronistische-fehlinvestition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/?p=933","title":{"rendered":"10.08.2018 \u2013 Die Citybahn ist eine gigantische anachronistische Fehlinvestition"},"content":{"rendered":"<p>Bei einer gemeinsamen Informationsveranstaltung der IHK Wiesbaden, der IHK Rhein-Hessen und der beiden zugeh\u00f6rigen Handwerkskammern am 06.08.2018 ging es um das F\u00fcr und Wider der Citybahn. Als Redner und Fachreferenten waren Herr Prof. Zemlin, Herr Jahncke von der Firma TransCare sowie der Stadt- und Verkehrsplaner\u00a0Herr Prof. Hartmut Topp geladen.<\/p>\n<p>Wie gewohnt und nicht anders zu erwarten pries Herr Prof. Zemlin die Citybahn an und meinte wiederum, sie k\u00f6nne in Wiesbaden bereits ab 2022 fahren. In seiner Pr\u00e4sentation deutete Herr Prof. Zemlin au\u00dferdem an, die neue Vorschlagsvariante der Strecke \u00fcber Biebrich und das Rheinufer habe eine Streckenl\u00e4nge von 40 km. Das w\u00e4ren rund 6 km mehr, als die alte Vorzugsvariante aus 2016. M\u00f6glicherweise ist in den 40 km aber einfach nur ein Teil der Mainzer\u00a0Bestandsstrecke vom HBF zur Uni eingerechnet. Au\u00dferdem ging aus dem\u00a0Fachvortrag von Prof. Zemlin hervor, dass die F\u00f6rdermittel von Bund zwar weiterhin mit 60 % angenommen werden, der Anteil des Landes Hessen aber m\u00f6glicherweise statt 27,5 % nur 25 % betragen werde.<\/p>\n<p>Herr Jahncke erl\u00e4uterte aus seiner fachlichen Sicht f\u00fcr Verkehr und Infrastrukturplanung, wie sich die Mobilit\u00e4t\u00a0k\u00fcnftig entwickeln werde und machte dies an zahlreichen Bespielen, etwa aus China, deutlich. Herr Jahncke stellte dann aber eine vergleichende betriebswirtschaftliche Berechnung vor, in welcher er die Lebenszykluskosten einer Stadtbahn denjenigen von E-Bussen gegen\u00fcber stellt. In diesen Berechnungen sind u.a. die Kapazit\u00e4t und Laufleistung der beiden Fahrzeugarten, deren Personalkosten und Energieverbrauch aber auch die Infrastrukturkosten (Bau und Unterhaltung der Wege) sowie die Fahrzeugbeschaffungskosten ber\u00fccksichtigt. Das Ergebnis \u00fcberrascht uns nicht, sondern best\u00e4tigt unsere Bef\u00fcrchtungen:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px\"><em>Die Citybahn w\u00fcrde pro Fahrgastplatz und Kilometer\u00a015 Cent, ein E-Buss dagegen nicht einmal ein Drittel, n\u00e4mlich nur 4,9 Cent kosten!<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px\"><em>Die Gesamtkosten einer\u00a0Citybahn f\u00fcr einen unterstellten\u00a0Lebenszyklus von 30 Jahren l\u00e4gen\u00a0bei \u00fcber 1 Mrd. \u20ac, die Gesamtkosten von E-Bussen mit einem Lebenszyklus von 2 x 15 Jahren l\u00e4gen dagegen nur bei 333 Mio. \u20ac, also wiederum bei nur rund einem Drittel!<\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px\"><em>Die Mehrkosten der Citybahn gegen\u00fcber E-Bussen w\u00fcrden in einem Lebenszyklus von 30 Jahren Jahr f\u00fcr Jahr\u00a0bei rund 22 Mio. \u20ac liegen.<\/em><\/p>\n<p>Die treffende Schlussfolgerung von Herrn Jahncke lautete daher, die Citybahn sei eine gigantische anachronistische \u00a0Fehlinvestition f\u00fcr Wiesbaden. Die Citybahn w\u00e4re 3 mal so teuer wie E-Busse.<\/p>\n<p>Herr Prof. Topp ging auf diese Zahlen nicht weiter ein, sondern versteifte sich in seinem Vortag u.a. auf die Renaissance der Stra\u00dfenbahnen in Frankreich und die Behauptung, eine Stadt ohne Stra\u00dfenbahn erreiche niemals einen Anteil an \u00d6PNV-Nutzung von mehr als 16 %. Diese Ausf\u00fchrungen haben in ihrer Allgemeinheit aber schon deshalb keine G\u00fcltigkeit, da Herr Prof. Topp etwa das Ph\u00e4nomen der Stadt Bremen ausgeklammert hat. Trotz Stra\u00dfenbahn liegt dort der Anteil der Nutzung des \u00d6PNV\u00a0bei nur 11 %. Und in Hamburg, welches bekannterma\u00dfen \u00fcber eine U-Bahn verf\u00fcgt, soll der Nutzungsanteil am \u00d6PNV wie in Wiesbaden ebenfalls bei rund 16 % liegen <em>[Quelle: Spiegel, Heft Nr. 10 vom 03.03.2018, Seite 20 \u201eFluch der vollen Z\u00fcge\u201c; Anm.: Die im Artikel genannten Daten d\u00fcrften \u00a0aus dem Jahr 2008 und\u00a0der Studie \u201eMobilit\u00e4t in Deutschland 2008 (MiD 2008)\u201c von Infas und DLR stammen].<\/em><\/p>\n<p>Und bei der anschlie\u00dfenden Diskussion musste Herr Prof. Topp wegen der Renaissance der Stra\u00dfenbahnen in Frankreich sich dann von Herrn Jahncke den Hinweis anh\u00f6ren, dass Stra\u00dfenbahnen in Frankreich zu 100 % staatlich subventioniert w\u00fcrden. Mit der Situation in Deutschland ist dies\u00a0folglich\u00a0nicht vergleichbar.<\/p>\n<p>Bei der n\u00e4chsten Vollversammlung der IHK werden deren Mitglieder einen Beschluss fassen, welche Position zur Citybahn eingenommen wird. Wir hoffen, dass sich die IHK ganz objektiv an Fakten und Zahlen orientieren wird. \u00a0Dann aber\u00a0kann kein positives Votum\u00a0zur Citybahn abgegeben werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei einer gemeinsamen Informationsveranstaltung der IHK Wiesbaden, der IHK Rhein-Hessen und der beiden zugeh\u00f6rigen Handwerkskammern am 06.08.2018 ging es um das F\u00fcr und Wider der Citybahn. Als Redner und Fachreferenten waren Herr Prof. Zemlin, Herr Jahncke von der Firma TransCare sowie der Stadt- und Verkehrsplaner\u00a0Herr Prof. Hartmut Topp geladen. 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