{"id":943,"date":"2018-09-27T17:11:55","date_gmt":"2018-09-27T15:11:55","guid":{"rendered":"http:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/?p=943"},"modified":"2018-12-20T12:30:40","modified_gmt":"2018-12-20T11:30:40","slug":"27-09-2018-buskapazitaeten-nicht-ausgeschoepft-debatte-ueber-den-komfort-in-bussen-ueberfluessig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/?p=943","title":{"rendered":"27.09.2018 \u2013 Buskapazit\u00e4ten nicht ausgesch\u00f6pft: Debatte \u00fcber den Komfort in Bussen \u00fcberfl\u00fcssig"},"content":{"rendered":"<p>Die Stadtverordnetenversammlung hatte am 16.02.2017 laut Beschluss Nr. 0069 und ausweislich Ziff. 1.1 zur Kenntnis genommen, dass [angeblich] seit Jahren die Fahrgastentwicklung in Wiesbaden deutlich \u00fcber dem Bundesdurchschnitt liege und [angeblich] der \u00f6ffentliche Verkehr nicht mehr alleine mit Bussen zu bew\u00e4ltigen sei. Unter anderem vor diesem Hintergrund\u00a0wurde am 16.02.2017\u00a0beschlossen, den Magistrat zu erm\u00e4chtigen, die Vor- und Entwurfsplanung f\u00fcr eine Citybahn und die Strecke Theodor-Heuss-Br\u00fccke bis Hochschule RheinMain Wiesbaden freizugeben.<\/p>\n<p>Die aus CDU, Gr\u00fcnen und SPD bestehende\u00a0Rathauskooperation bekam offenbar nun im Nachhinein\u00a0Bedenken,\u00a0ob denn die Wiesbadener Busse tats\u00e4chlich am Limit sind. Anders ist es nicht zu erkl\u00e4ren, dass auf ihren Antrag \u2013 mit gro\u00dfer Versp\u00e4tung \u2013 am 12.06.2018 im Ausschuss f\u00fcr Planung, Bauen und Verkehr dem Magistrat durch Beschluss Nr. 0110 w\u00f6rtlich aufgeben wurde:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px\">\u201e\u00fcber ESWE Verkehr die jeweilige Auslastung der meistgenutzten Buslinien in Wiesbaden darzustellen, auch im Hinblick auf den Tagesverlauf bzw. unter Angabe der besonders stark und besonders schwach frequentierten Zeitfenster sowie auch im Hinblick auf die jeweils eingesetzten Bustypen (Gelenkbusse etc.).\u201c<\/p>\n<p>Der darauf erstellte Magistratsbericht von Herrn Verkehrsdezernent Kowol vom 30.08.2018 \u00fcberrascht uns nicht. Er best\u00e4tigt, dass die meistgenutzten Buslinien in Wiesbaden eben noch lange nicht \u201eam Limit\u201c sind.<\/p>\n<p>Dieser Bericht listet 16 der insgesamt 41 Wiesbadener Buslinien auf, welche die meistgenutzten sein sollen. Auf diesen 16 Linien werden sowohl Solobusse (KOM), als auch Gelenkbusse (GOM) eingesetzt. Bei den Personenkapazit\u00e4ten seien f\u00fcr Solobusse 70 und f\u00fcr Gelenkbusse 100 Fahrg\u00e4ste ber\u00fccksichtigt worden. Der Erhebungszeitraum der Daten wird angegeben mit 01.01. bis 30.06.2018. Der Bericht enth\u00e4lt sodann eine tabellarische \u00dcbersicht der meistgenutzten 16 Buslinien sowie deren Haupt-Fahrtrichtung (Endhaltestelle). Daran schlie\u00dft sich eine Spalte mit dem Zeitfenster der Spitzenauslastung, der maximalen Auslastung in % und dem eingesetzten Fahrzeugtyp an. \u00dcber die Auslastung und Zeiten der am geringsten genutzten bzw. der \u00fcbrigen 25 Buslinien enth\u00e4lt der Bericht keine Angaben.<\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte Auslastung von 90 % der Personenkapazit\u00e4t hat nach der Tabelle zum Bericht vom 30.08.2018 die Linie 23 in Richtung Schierstein Hafen im Zeitfenster von 12 bis 13 Uhr und zwar mit einem Solobus (KOM). Die geringste Auslastung von lediglich 55,7 % der Personenkapazit\u00e4t wird der Linie 37 in Richtung Wielandstra\u00dfe im Zeitfenster von 7 bis 8 Uhr und zwar wiederum mit einem Solobus (KOM) zugewiesen. Die h\u00f6chsten Auslastungen bei Gelenkbussen (GOM) betragen demgegen\u00fcber maximal 80 % der Personenkapazit\u00e4t und betreffen die Linien 14 Richtung Biebrich zwischen 7 und 8 Uhr sowie die Linie 27 Richtung Schelmengraben zwischen 13 und 14 Uhr.<\/p>\n<p>Bis dahin kann also festgehalten werden, dass nach dem Bericht von Herrn Verkehrsdezernent Kowol keine der meistgenutzten Buslinien zu irgendeiner Tageszeit eine Auslastung von 100 % der von ihm bzw. ESWE Verkehr behaupteten Personenkapazit\u00e4t von 70 bzw. 100 Fahrg\u00e4sten erreicht. Es bliebe vielmehr auch in den Spitzenzeiten immer noch ein Kapazit\u00e4tspuffer von 10 % f\u00fcr die meistgenutzten Solobusse der Linie 23 und ein noch gr\u00f6\u00dferer Puffer von 19 % f\u00fcr die Gelenkbusse der Linien 14 und 27.<\/p>\n<p>Man kann\u00a0aber noch ein wenig weiter\u00a0rechnen. Ist ein Solobus mit einer Kapazit\u00e4t von 70 Personen zur Spitzenstunde mit 90 % ausgelastet, so meint dies eine Zahl von 63 Fahrg\u00e4sten und 7 weitere Fahrg\u00e4ste h\u00e4tten theoretisch noch bequem Platz. Ist dagegen ein Gelenkbus mit einer Kapazit\u00e4t von 100 Personen zu 81 % in der Spitzenzeit besetzt, so w\u00e4ren dies 81 Fahrg\u00e4ste und es w\u00e4re noch bequem Platz f\u00fcr sogar 19 weitere Personen und niemand ist eingeengt.<\/p>\n<p>Unterstellt, die am 30.08.2018 pr\u00e4sentierten Zahlen zu den meist genutzten Buslinien und der maximalen Auslastung zu bestimmten Uhrzeiten w\u00e4ren zutreffend, so w\u00e4re die Behauptung und auch jede rein subjektive Wahrnehmung einzelner, die Busse seien in Wiesbaden am Limit, durch Zahlen und Fakten widerlegt.<\/p>\n<p>Die Schlussfolgerung, dass sogar die meistgenutzten Buslinien in Wiesbaden noch Kapazit\u00e4tsreserven zwischen 10 % und teils sogar 44,3 % (Linie 37, s.o.) aufweisen, hat nichts mit dem Streit zu tun, welche Fahrgastkapazit\u00e4ten die Solobusse und die Gelenkbusse in Wahrheit haben. Dies wird einmal mehr von Herrn Verkehrsdezernent Kowol in seinen Aussagen gegen\u00fcber dem Wiesbadener Kurier vom 20.09.2018 verkannt. Es geht nicht darum, ob 5 Fahrg\u00e4ste auf einen qm im Bus \u201ezusammengepfercht\u201c werden sollen oder m\u00fcssten, sondern darum, dass schon nach dem Bericht vom 30.08.2018 ganz offensichtlich nicht unerhebliche Platzreserven in allen Bussen verbleiben.<\/p>\n<p>Wie ESWE Verkehr aber eigentlich auf eine maximale Bef\u00f6rderungskapazit\u00e4t von nur 70 Personen bei einem Solobus und nur 100 bei einem Gelenkbus kommt, ist uns schleierhaft. Dabei handelt es sich um v\u00f6llig willk\u00fcrliche Zahlen, die nicht von Herstellerangaben oder sonstigen \u00f6ffentlich nachpr\u00fcfbaren Quellen abgeleitet werden k\u00f6nnen. Auch nicht aus Gesetzen und Vorschriften.<\/p>\n<p>Ein kurzer Blick auf die Website von ESWE Verkehr bei \u201eUnternehmen\/Zahlen und Fakten\u201c oder die Hinweisschilder in den einzelnen Bussen ergibt, welche Zahl an Personen wie in zul\u00e4ssiger Weise h\u00f6chstens im jeweiligen Bus transportiert werden darf. Diese <strong><em>zul\u00e4ssige H\u00f6chstzahl<\/em><\/strong> hat selbstverst\u00e4ndlich nichts mit einem bestimmten (welchen eigentlich?) Komfortanspruch der Fahrg\u00e4ste zu tun. Es w\u00e4re uns v\u00f6llig neu, wenn ein st\u00e4ndig defizit\u00e4r arbeitender \u00d6PNV dazu gehalten oder gar (gesetzlich) verpflichtet sein sollte, jedem potentiellen Fahrgast rund um die Uhr einen freien Sitzplatz zu garantieren. Ein \u00d6PNV ist kein Luxusgut, sondern etwas Notwendiges, bei welchem der Spagat zwischen den w\u00fcnschenswerten und den wirtschaftlich vertretbaren Dingen zu beherrschen ist. Daher muss f\u00fcr jeden \u00d6PNV stets ein Standard aus Erreichbarkeit, Zeittakt und Komfort definiert werden, der sich nicht nur an Zeiten einer hohen Nachfrage, sondern auch an den Randzeiten orientieren muss.<\/p>\n<p>Diese eigenen Angaben von ESWE Verkehr ergeben jedenfalls eine durchschnittliche Maximalkapazit\u00e4t f\u00fcr Solobusse von 36 Sitzpl\u00e4tzen, 1 Behindertenplatz und 55 Stehpl\u00e4tzen = 92 Personen und f\u00fcr Gelenkbusse von 50 Sitzpl\u00e4tzen, 1 Behindertenplatz und 95 Stehpl\u00e4tzen = 146 Personen.<\/p>\n<p>Nimmt man nun die aus der Liste von Herrn Verkehrsdezernent Kowol vom 30.08.2018 ermittelten Fahrg\u00e4ste auf den meistgenutzten Buslinien in der Spitzenauslastung und verteilt diese zun\u00e4chst auf die unbestreitbar vorhandenen <strong><em>Sitzpl\u00e4tze<\/em><\/strong> in den jeweils eingesetzten Fahrzeugen, so verbleiben im schlimmsten Fall zu den jeweiligen Spitzenauslastungszeiten auf der Linie 23 selbst im Solobus nach Schierstein Hafen insgesamt 28 freie Stehpl\u00e4tze, auf der Linie 14 nach Biebrich 64 freie Stehpl\u00e4tze und auf der Linie 27 zum Schelmengraben 64 Stehpl\u00e4tze als Reserve. Gemeint sind zul\u00e4ssige Stehpl\u00e4tze, wie von ESWE Verkehr angegeben.<\/p>\n<p>Wegen der Einzelheiten verweisen wir auf die unsere <a href=\"http:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/2018-09-27-Anlage-zur-Pressemitteilung-Buskapazit\u00e4ten.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">tabellarische \u00dcbersicht<\/a> mit einer Darstellung der im Magistratsbericht vom 30.08.2018 enthaltenen Zahlen und einer erg\u00e4nzenden Ermittlung der durchschnittlich in Solobussen und Gelenkbussen zur Verf\u00fcgung stehenden Sitz- und (zul\u00e4ssigen) Stehpl\u00e4tze.<\/p>\n<p>Eine vollst\u00e4ndige Stellungnahme zu dem Magistratsbericht und der dazu ergangenen Berichterstattung in der Tagespresse enth\u00e4lt unsere <a href=\"http:\/\/mitbestimmung-citybahn.de\/mitbestimmung\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/2018-09-27-Pressemitteilung-Buskapazita\u0308ten.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Presseinformation vom 27.09.2018<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stadtverordnetenversammlung hatte am 16.02.2017 laut Beschluss Nr. 0069 und ausweislich Ziff. 1.1 zur Kenntnis genommen, dass [angeblich] seit Jahren die Fahrgastentwicklung in Wiesbaden deutlich \u00fcber dem Bundesdurchschnitt liege und [angeblich] der \u00f6ffentliche Verkehr nicht mehr alleine mit Bussen zu bew\u00e4ltigen sei. 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